Studie der Uni Löwen: So können Städte sich gegen Hitzewellen wappnen

<p>Blick über die Dächer von Brüssel: Laut einer Studie der Uni Löwen könnten „kühle Dächer“ die Aufheizung von Städten bei Hitzewellen deutlich verringern.</p>
Blick über die Dächer von Brüssel: Laut einer Studie der Uni Löwen könnten „kühle Dächer“ die Aufheizung von Städten bei Hitzewellen deutlich verringern. | Foto: belga

Gemeint sind Dachflächen, die Sonnenstrahlung reflektieren, statt sie zu absorbieren – etwa durch helle Dachmaterialien, spezielle Beschichtungen oder reflektierende Baustoffe. Während dunkle Dächer sich stark aufheizen und Wärme speichern, werfen „kühle Dächer“ einen Großteil der Strahlung zurück.

Die Folge: Gebäude speichern weniger Hitze, und auch die Umgebungsluft erwärmt sich langsamer. Werden solche Dächer großflächig in ganzen Vierteln oder Städten eingesetzt, kann die Außentemperatur an heißen, wolkenlosen Sommertagen merklich sinken.

„Man kann es vergleichen mit dem Unterschied zwischen einem schwarzen und einem weißen T-Shirt in der Sonne“, erklärt Forscherin Fien Serras von der Uni Löwen. „Das weiße T-Shirt bleibt deutlich kühler. Dasselbe Prinzip gilt für Dächer – nur mit Auswirkungen auf die ganze Stadt.“

Mithilfe eines hochauflösenden Klimamodells simulierten die Wissenschaftler, wie belgische Städte während der extremen Hitzewelle im Juli 2019 auf verschiedene Anpassungsstrategien reagiert hätten. Damals wurde die höchste je in Belgien gemessene Temperatur registriert.

Die Simulationen zeigen: „Kühle Dächer“ senken primär die maximalen Tagestemperaturen. Im Durchschnitt sank die Lufttemperatur in städtischen Gebieten um etwas mehr als zwei Grad Celsius – in dicht bebauten Zentren mit vielen Dachflächen sogar noch stärker.

Kombination mit mehr Grün besonders wirksam

Neben den Dächern untersuchten die Forscher auch den Effekt zusätzlicher Grünflächen wie Bäume, Parks und unversiegelte Flächen. In Kombination mit „kühlen Dächern“ zeigte sich ein besonders positiver Effekt auf die nächtlichen Temperaturen. Genau diese nächtliche Abkühlung ist entscheidend, damit sich der menschliche Körper nach heißen Tagen erholen kann.

Jeder vierte Hitzetote womöglich vermeidbar

Die Temperaturdaten verknüpften die Forscher mit bestehenden Erkenntnissen von Sciensano zum Zusammenhang zwischen Hitze und Sterblichkeit in Brüssel. Während der fünftägigen Hitzewelle im Juli 2019 wurden dort schätzungsweise 47 Todesfälle mit extremer Hitze in Verbindung gebracht.

Laut der Studie hätte eine großflächige Anwendung „kühler Dächer“ rund 25 Prozent dieser Todesfälle verhindern können.

Konkrete Ansatzpunkte für die Stadtplanung

Belgien zählt zu den am stärksten urbanisierten Ländern Europas. Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen häufiger und intensiver. Die Studie liefert daher konkrete, wissenschaftlich fundierte Ansätze für Politik und Stadtplanung. „Relativ einfache Eingriffe an bestehenden Gebäuden – wie eine höhere Reflexionsfähigkeit der Dächer – können einen enormen gesellschaftlichen Nutzen haben, besonders in Kombination mit einer durchdachten Begrünungspolitik“, betont Mitautorin Inne Vanderkelen von der Uni Löwen. (belga/calü)

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