Konkret gaben 56 Prozent der Belgier an, den US-Präsidenten als europa-feindlich einzustufen. Nur ein kleiner Teil der Befragten sieht in ihm einen „Freund Europas“, während sich viele weder auf die eine noch auf die andere Seite schlagen. Damit liegt Belgien im europäischen Trend: Insgesamt bewerten 51 Prozent der Befragten in allen sieben Ländern Trump als „Gegner“ Europas, lediglich 8 Prozent sehen ihn als Freund, 39 Prozent ordnen ihn weder so noch so ein, und 2 Prozent wissen es nicht.
Die Umfrage des Instituts Cluster17 wurde zwischen dem 13. und 19. Januar durchgeführt, in einer Phase, in der Trumps Aussagen über den möglichen Erwerb Grönlands von Dänemark in Europa für Aufsehen sorgten. Zwar stellte der US-Präsident später klar, dass er dieses Ziel nicht mit militärischer Gewalt durchsetzen wolle, doch die Irritation blieb – vor allem in Ländern wie Dänemark, wo 58 Prozent der Befragten Trump ebenfalls als „Gegner“ Europas betrachten, ebenso viele wie in Spanien.
In Belgien, dem Sitz wichtiger europäischer Institutionen und der NATO, geht die Skepsis jedoch noch weiter. Ganze 79 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Europäische Union ihre Verteidigung künftig selbst sicherstellen müsse, ohne sich auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu verlassen. EU-weit teilen 73 Prozent diese Einschätzung. Nur 22 Prozent der Befragten glauben noch, dass Europa weiterhin auf Washington zählen kann, wenn es um die eigene Sicherheit geht.
Diese Zahlen spiegeln ein wachsendes Gefühl wider, dass Europa in unsicheren Zeiten stärker auf eigenen Beinen stehen muss. Zwar bleiben die USA die führende Militärmacht innerhalb der NATO, der alle sieben befragten Länder angehören. Doch gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass viele europäische Staaten ihre Verteidigung über Jahrzehnte vernachlässigt haben und heute in hohem Maße von den USA abhängig sind.
Wie die EU politisch auf Washington reagieren sollte, darüber sind die Europäer – und auch die Belgier – gespalten. 46 Prozent der Befragten in allen sieben Ländern sprechen sich für eine klare Opposition gegenüber der US-Regierung aus, 44 Prozent plädieren für einen Kurs des Kompromisses. Nur 10 Prozent wünschen sich eine enge politische Ausrichtung an den Vereinigten Staaten.
Eine Ausnahme in der Umfrage bildet Polen. Dort sehen lediglich 28 Prozent der Befragten Donald Trump als „Gegner Europas“. Fast jeder Zweite, nämlich 48 Prozent, stuft ihn weder als „Freund“ noch als „Feind“ ein. Die Erklärung liegt vor allem in der geopolitischen Lage des Landes: Als direkter Nachbar Russlands setzt Polen traditionell stark auf die Schutzgarantie der USA. (calü)

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