Besuche der Organisation zeigen, dass die Lebensbedingungen in mehreren Einrichtungen weit von menschenwürdigen Standards entfernt sind. In einzelnen Fällen müssten Menschen unter entwürdigenden Umständen überleben, heißt es in dem Bericht.
Besonders kritisch wird die Lage im Rückführungszentrum 127bis nahe dem Flughafen Zaventem sowie im Transitzentrum Caricole beschrieben. Das Zentrum 127bis wird als veraltetes Gebäude mit „Gefängnischarakter“ bezeichnet. Im Oktober 2024 kam es dort zu einem Befall mit Bettwanzen. Hinzu kommen laut Move Coalition anhaltender Personalmangel, eingeschränkter Zugang zu juristischer Unterstützung sowie ein nur begrenztes psychologisches Betreuungsangebot.
Nach dem Suizid eines äthiopischen Bewohners im März 2024 griffen viele der dort untergebrachten Personen verstärkt zu Beruhigungs- und Schlafmitteln, Drogen oder Medikamenten, um die Situation zu ertragen. Zudem würden Bewohner häufig Opfer von Beleidigungen und Provokationen durch das Personal.
Auch im geschlossenen Zentrum von Brügge kam es 2024 zu einem Todesfall. Ein georgischer Staatsangehöriger mit Diabetes hatte die Nahrungsaufnahme verweigert und war in medizinische Isolation gebracht worden. Nach seinem Tod leitete die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung ein, bislang jedoch ohne abschließendes Ergebnis. Drogenabhängige Bewohner erhalten dem Bericht zufolge weder Methadon noch andere Ersatzstoffe, sodass der Entzug ausschließlich körperlich erfolgt. Immer wieder komme es zu Selbstverletzungen, Suiziddrohungen oder extremen Handlungen wie dem Verschlucken von Batterien oder anderen Gegenständen.
Das geschlossene Zentrum von Merksplas beherbergt seit 1994 Migranten und war wiederholt Schauplatz von Hungerstreiks sowie medizinischen Isolierungen. Nach Aussagen der Bewohner seien diese Maßnahmen oft das einzige Mittel, um sich gegen eine Zwangsrückführung zur Wehr zu setzen.
Die Zentren von Vottem und Merksplas verfügen zudem als einzige über eine sogenannte „Spezialabteilung“, in der Personen je nach Verhalten oder besonderer Verletzlichkeit untergebracht werden. In Merksplas wurden 2024 mehr als 114 Menschen in diese Abteilung verlegt, davon 67 wegen Verhaltensauffälligkeiten und 47 aufgrund psychischer Fragilität.
In Vottem führten laut Bericht „unwürdige materielle Bedingungen“ zu wiederholten Protesten. Allein im Jahr 2024 kam es dort zu mehr als 50 Hungerstreiks, mehreren Fällen von Selbstverletzung und dem Konsum giftiger Substanzen sowie zu einem Suizidversuch eines Bewohners. (belga/rt)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren