So mancher Zug dürfte einige jecke Gesichter verlieren: Anders als in den vergangenen Jahren rollt an Karnevalssonntag in Ostbelgien und im Rest der Provinz der Ball. „Da werden wir nichts dran ändern können, obwohl mir das auch persönlich sehr leid tut“, stellt Gerhard „Camillo“ Löfgen klar. Der ostbelgische Vertreter im Lüticher Provinzialkomitee hatte sich vor einigen Jahren gemeinsam mit Walther Collubry, damaliger Präsident des RFC Raeren-Eynatten, für ein fußballfreies Karnevalswochenende eingesetzt – mit Erfolg. „Unser Hauptargument lautete, dass es nicht nur um die reinen Umzüge geht, sondern dass der Karneval einfach zu unserer Kultur gehört“, hatte der Büllinger im Februar 2025 gegenüber dem GrenzEcho erklärt.
Seit Ende 2024 fällt die Organisation der Meisterschaften jedoch auch in die Hände des Aufsichtsrates des wallonischen Amateurfußballverbands (ACFF). Und der entschied sich für eine einheitliche Saisonstruktur in Lüttich, Namur, Luxemburg und Hennegau. Sprich: In allen vier Provinzen wird an denselben Wochenenden gespielt oder pausiert. Zudem stimmte im vergangenen Sommer eine Mehrheit der Lütticher Vereine gegen zwei Donnerstagsspieltage im September. „Deshalb blieben nun nicht mehr viele freie Wochenenden für Verlegungen übrig“, erklärt Löfgen – das nächstgelegene sei eben das an Karneval.
Dass die winterlichen Bedingungen und die Platzverhältnisse nun ausgerechnet dem 19. Spieltag einen Strich durch die Rechnung machten, sei ein „blöder Zufall“. Denn: Es hätte sich um den vorletzten Spieltag der zweiten Tranche gehandelt. Und falls das kommende Wochenende (24./25. Januar) normal über die Bühne gehen sollte, verwandelt sich der auf Karneval verlegte Spieltag plötzlich zum Tranchenfinale, an dem die nächsten Aufstiegsrundentickets vergeben werden. Dieses Tranchenfinale wiederum solle auch nicht erst an den noch freien Wochenenden vom 15. März oder 5. April (Ostern) steigen, um nicht zu weit in die dritte Tranche zu reichen.
Manche Spiele können verlegt werden.
Ein Entgegenkommen vonseiten des Lütticher Provinzialkomitees gibt es dennoch: Müssen normalerweise alle Begegnungen eines letzten Tranchenspieltags zeitgleich sonntagnachmittags stattfinden, dürfen die Mannschaften, die nichts mehr mit der Entscheidung an der Tabellenspitze zu tun haben, ihr Spiel ausnahmsweise aus karnevalistischen Gründen verlegen. Das trifft beispielsweise auf das Nordderby zwischen dem KSC Lontzen und der B-Mannschaft des FC Eupen zu, die keine Chance mehr auf das Endrundenticket besitzen.
Einige andere ostbelgische Teams dürften hingegen in den sauren Apfel beißen müssen: In der Lütticher Beletage führt Aufsteiger Recht das zweite Saisondrittel dank seines Schlussspurts vor der Winterpause sensationell punktgleich mit Minerois an. Eine Etage tiefer strecken die Weywertzer ihre Fühler am stärksten nach der Endrunde aus, zu den Verfolgern zählt der RFC St.Vith. In der 3. Provinzklasse D sitzen Bütgenbach und Oudler Trois-Ponts im Nacken, und in der P4 rechnen sich Raeren-Eynatten B und Amel B im Schatten von Weismes-Faymonville noch Chancen aus. Wer da am kommenden Wochenende nicht abreißen lässt, muss das Kostüm gegen das Trikot tauschen.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren