Steigende Honorarzuschläge belasten Patienten immer stärker

<p>Für viele Patienten sind stationäre Aufenthalte mit hohen und schwer kalkulierbaren Kosten verbunden.</p>
Für viele Patienten sind stationäre Aufenthalte mit hohen und schwer kalkulierbaren Kosten verbunden. | Illustrationsbild: picture alliance/dpa

Dem Barometer zufolge stiegen die Honorarzuschläge 2024 um 9,1 Prozent auf insgesamt 760 Millionen Euro. Dieser Anstieg fällt deutlich stärker aus als jener der Leistungen der Krankenversicherung (+5,6 Prozent) oder der Eigenanteile der Patienten (+1,5 Prozent). Insgesamt wurden den Patienten im vergangenen Jahr im Rahmen klassischer und tagesklinischer Krankenhausaufenthalte 1,60 Milliarden Euro in Rechnung gestellt.

Besonders stark ins Gewicht fällt die Wahl eines Einzelzimmers. Während ein Krankenhausaufenthalt im Mehrbettzimmer im Durchschnitt 323 Euro kostet, müssen Patienten im Einzelzimmer im Schnitt 2.778 Euro selbst bezahlen – also rund achtmal so viel. In etwa 105.000 Fällen lag die Rechnung bei über 3.000 Euro, bei rund 7.500 Aufenthalten sogar bei mehr als 10.000 Euro. Auffällig ist zudem, dass selbst fünf Prozent der Aufenthalte im Mehrbettzimmer Kosten von über 1.000 Euro verursachen.

Die Christliche Krankenkasse warnt vor den Folgen dieser Entwicklung. „Der Betrag, den Patienten aus eigener Tasche bezahlen müssen, ist bereits erheblich“, heißt es. Besonders problematisch sei die mangelnde Transparenz der Zusatzkosten, die dazu führe, dass Patienten aus Angst vor hohen Rechnungen notwendige Behandlungen aufschieben oder ganz vermeiden. Zudem kritisiert die Krankenkasse, dass Honorarzuschläge nicht unter die Tarifobergrenze fallen und deutlich schneller steigen als die offiziellen Tarife. Auch erhebliche Preisunterschiede zwischen – und sogar innerhalb – einzelner Krankenhäuser seien nicht nachvollziehbar.

Gesundheitsminister Vandenbroucke teilt diese Einschätzung und fordert eine rasche Regulierung. Besonders beunruhigend sei die ungleiche Verteilung der Zusatzhonorare: Zehn Prozent der Ärzte seien laut Barometer für 43 Prozent aller abgerechneten Honorarzuschläge verantwortlich. „Die großen Unterschiede machen das System für die Menschen unverständlich“, so der Minister.

Zwar liegt bereits ein Gesetzesentwurf zur Regulierung der Honorarzuschläge vor, dieser befindet sich jedoch bis 2028 in einem Konsultationsprozess. Sollte bis dahin keine Einigung erzielt werden, will die Regierung selbst eine Obergrenze festlegen. Ohne staatliches Eingreifen, warnt Vandenbroucke, drohe eine Entwicklung hin zu einem US-amerikanischen Modell, in dem Patienten zunehmend von privaten Versicherungen abhängig seien. „Das widerspricht unserem solidarischen Gesundheitssystem“, betont er.

Auch die Christliche Krankenkasse fordert eine grundlegende Reform der Krankenhausfinanzierung. Es könne nicht sein, dass Patienten die finanziellen Defizite der Krankenhäuser ausgleichen müssten. Langfristig spricht sich die Krankenkasse für die vollständige Abschaffung der Honorarzuschläge aus, um ungerechtfertigte Unterschiede zu beseitigen und die Kosten für Patienten wieder berechenbarer zu machen. (belga/rt)

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