Friedrich Dürrenmatt schrieb das Stück 1961 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Die Uraufführungszeit war geprägt von atomarer Bedrohung und dem ideologischen Gegensatz zwischen den Machtblöcken. Dürrenmatt verarbeitete diese Spannungen in einer Tragikomödie, die bis heute zu seinen meistgespielten Werken zählt.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Physiker Johann Wilhelm Möbius, der seit 15 Jahren in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt lebt. Zwei weitere Insassen halten sich für Isaac Newton und Albert Einstein. Was zunächst wie ein skurriles Kammerspiel wirkt, nimmt eine dramatische Wendung, als mehrere Pflegerinnen ermordet werden. Hinter der grotesken Fassade entfaltet sich eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Verantwortung, Macht und Moral.
Der Stoff setzt gedanklich bereits vor Beginn des Bühnenhandelns an: Ein genialer Forscher hat eine Entdeckung gemacht, die das Potenzial besitzt, alles Leben auf der Erde zu vernichten. Ruhm, Nobelpreis und internationale Anerkennung scheinen greifbar nahe – doch zugleich regt sich ein Gewissen. Die Erkenntnis, welche Folgen dieses Wissen haben könnte, treibt ihn zu dem Entschluss, sich selbst aus der Welt zurückzuziehen, um seine Formel unzugänglich zu machen. Die Anstalt erscheint als letzter Ort, an dem Verantwortung vor Ruhm gestellt werden kann.
Dürrenmatt verbindet diese ethische Fragestellung mit schwarzem Humor. Auch in der Crombacher Inszenierung soll, trotz des ernsten Hintergrunds, die komödiantische Seite des Stücks nicht zu kurz kommen. Bereits 2013 hatte die Theatergruppe mit „Der Besuch der alten Dame“ gezeigt, dass sie Tragik und Komik wirkungsvoll miteinander zu verbinden versteht.
Inhaltlich knüpft „Die Physiker“ an die historische Situation des Kalten Krieges an, als sich USA und Sowjetunion mit atomarer Abschreckung gegenüberstanden. Die Theatergruppe Crombach betont jedoch die Aktualität des Stoffes: Neue Waffensysteme, globale Konflikte und politische Machtverschiebungen werfen weiterhin die Frage auf, welche Verantwortung Wissenschaft und Gesellschaft tragen. Die Inszenierung will diese Problematik nicht lösen, sondern das Publikum zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewissen anregen.
Mit „Die Physiker“ bringt die Theatergruppe Crombach ein klassisches Werk des deutschsprachigen Theaters auf die Bühne, das Humor, Spannung und gesellschaftliche Reflexion verbindet – und dessen zentrale Frage nach Verantwortung im Umgang mit Wissen auch mehr als 60 Jahre nach seiner Entstehung nichts von ihrer Brisanz verloren hat.
Aufgeführt wird das Stück am Samstag, 24. Januar, um 20 Uhr, am Sonntag, 25. Januar, um 18 Uhr, am Freitag, 6. Februar, um 20 Uhr, am Samstag, 7. Februar, um 20 Uhr, sowie ein letztes Mal am Sonntag, 8. Februar, um 18 Uhr. Karten und weitere Informationen sind telefonisch unter 0456/628 538, per E-Mail an ticket@theatercrombach.be sowie online unter theatercrombach.be erhältlich. (red/jj)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren