Nach Einschätzung von Johan Krijgsman, CEO von ERA, ist der kräftige Preisanstieg vor allem auf die Senkung der Registrierungsgebühren im Süden des Landes zurückzuführen. Diese Maßnahme habe den Markt spürbar belebt.
„Diese Reform hat einen echten Effekt“, bestätigt auch Emmanuel Debroulle, der für ERA als Business Development Manager in der Wallonie und Brüssel aktiv ist. „Wir sehen, dass sich Erstkäufer eher für den Kauf entscheiden, statt weiter zu mieten.“ Debroulle rechnet zudem damit, dass die Preise in der Wallonie weiter steigen werden – auch weil niederländischsprachige Käufer aus angrenzenden Gemeinden zunehmend Interesse zeigen. Der Unterschied bei den Registrierungsgebühren zwischen der Wallonie und Flandern liege inzwischen nur noch bei rund einem Prozent, nachdem er früher mehr als zehn Prozent betrug.
Brüssel: Moderate Preissteigerung, aber längere Verkaufszeiten
In Brüssel fiel die Preisentwicklung deutlich verhaltener aus. Die Wohnungspreise legten 2025 im Durchschnitt um 0,8 Prozent zu – ein Wert, der in etwa dem der Vorjahre entspricht. Auffällig ist jedoch die stark gestiegene Verkaufsdauer: Im Schnitt dauert es inzwischen 161 Tage, bis eine Immobilie den Besitzer wechselt.
Krijgsman spricht von einem „Mangel an Effizienz“ auf Behördenseite. Lange Wartezeiten auf notwendige Dokumente und eine unzureichende Digitalisierung bremsten den Markt. Auch Debroulle sieht strukturelle Probleme: In manchen Gemeinden kämen städtebauliche Auskünfte sehr spät, zudem seien viele Notare stark ausgelastet, was den Abschluss von Kaufverträgen verzögere.
Stabilisierung nach turbulenten Jahren in Flandern
In Flandern haben sich die Preise nach den turbulenten Corona-Jahren wieder normalisiert. Häuser verteuerten sich 2025 im Schnitt um 3,7 Prozent, Wohnungen um 4,1 Prozent. Der Markt habe sich an die höheren Hypothekenzinsen angepasst, so Krijgsman.
Er spricht von einem „eher langweiligen Immobilienjahr“ – betont aber: „Für viele Flamen ist es eine gute Nachricht, dass Immobilien in diesen unsicheren Zeiten eine stabile Langzeitinvestition bleiben.“ Der Preisanstieg liege zudem leicht über der Inflation (+1,2 Prozent) und entspreche in etwa dem langfristigen Durchschnitt. Für 2026 erwartet Krijgsman eine ähnliche Entwicklung. (belga/calü)

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