In dem Brief schildern die Ordensschwestern einen Vorfall in der Jugendinstitution Stella Maris in Kortrijk, die von ihrem Orden gegründet wurde. Demnach soll Vangheluwe Anfang August 2008 in der Einrichtung erschienen sein und erklärt haben, er wolle einigen Kindern mit einem Ausflug eine Freude machen. Er verließ das Gelände mit zwei dreijährigen Zwillingsschwestern. Später sei er in der Kapelle der Einrichtung angetroffen worden, wo er laut dem Schreiben bei „sündhaften sexuellen Handlungen“ mit den Kindern ertappt worden sei.
Recherchen von Humo und Apache zufolge ging damals bei mehreren Institutionen in Brügge eine Meldung über mutmaßlichen sexuellen Missbrauch ein. Die beiden Mädchen seien jedoch erst drei Monate später erstmals untersucht worden. Bei dieser Untersuchung seien Hinweise auf sexuellen Missbrauch festgestellt worden. Ein gerichtliches Ermittlungsverfahren wurde dennoch nie eingeleitet.
Der bekannte Opferanwalt Walter Van Steenbrugghe sieht in dem neu bekannt gewordenen Dokument eine mögliche juristische Wende. Sollten sich die geschilderten Taten bestätigen, seien sie nicht verjährt, erklärte er. In diesem Fall könnte Roger Vangheluwe strafrechtlich verfolgt werden. Zudem könnten im Rahmen eines Verfahrens auch weitere mögliche Straftaten untersucht werden.
Die Verteidigung weist die Vorwürfe entschieden zurück. Joris Van Cauter, Anwalt von Roger Vangheluwe, erklärte, sein Mandant bestreite jede Beteiligung. Die Vorwürfe aus dem Jahr 2008 seien „absoluter Nonsens“. Gleichwohl werfen die Berichte erneut ein Schlaglicht auf den Umgang mit Missbrauchsvorwürfen innerhalb der Kirche und auf mögliche Versäumnisse der zuständigen Stellen zur damaligen Zeit. (belga/svm)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren