Agrarprotest im Herzen Europas: Tausende Bauern ziehen durch Brüssel

<p>Tausende Traktoren rollen zum EU-Gipfel nach Brüssel.</p>
Tausende Traktoren rollen zum EU-Gipfel nach Brüssel. | Foto: belga

Im Zentrum des Protests stehen zwei Themen, die die Landwirte seit Monaten umtreiben: das geplante Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten in Südamerika sowie die Sorge vor möglichen Kürzungen im Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027.

Nach Angaben der Organisatoren werden gegen späten Vormittag mehr als 8.000 Teilnehmer im Brüsseler Nordviertel erwartet. Gegen 12 Uhr soll sich der Demonstrationszug in Bewegung setzen. Ihm werden sich voraussichtlich mindestens 500 Traktoren anschließen. Die Route führt über den kleinen Ring bis zur Rue de la Loi, bevor der Zug in die Rue de Trêves einbiegt und schließlich den Place du Luxembourg erreicht. Dort wollen Vertreter der nationalen Bauernorganisationen gegen 14 Uhr das Wort ergreifen.

Rund 40 landwirtschaftliche Organisationen aus verschiedenen europäischen Ländern haben ihre Teilnahme angekündigt. Aus dem Süden des Landes sind unter anderem Delegationen des wallonischen Bauernverbands (FWA) sowie der wallonischen Vereinigung der Junglandwirte (FJA) vertreten. Nicht dabei ist hingegen die Bauernorganisation Fugea: Sie hatte bereits am Mittwochmorgen eine eigene Protestaktion am Lütticher Regionalflughafen organisiert – ebenfalls aus Protest gegen das Mercosur-Abkommen.

Ein markantes Bild wird die Demonstration auch deshalb abgeben, weil viele Landwirte mit ihrem wichtigsten Arbeitsgerät nach Brüssel kommen: dem Traktor. Die mehr als 500 erwarteten Maschinen sind in den frühen Morgenstunden aus allen Teilen der Wallonie, aber auch aus anderen europäischen Ländern, in der Hauptstadt eingetroffen.

Der Zeitpunkt der Kundgebung ist bewusst gewählt. Parallel zur Demonstration treffen sich in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der EU zu einem Gipfel, bei dem unter anderem über den künftigen EU-Haushalt beraten wird. Die Landwirte wollen Druck aufbauen, um Kürzungen bei der Agrarförderung zu verhindern. Gleichzeitig richtet sich der Protest gegen das Mercosur-Abkommen, das die Europäische Kommission noch immer abschließen möchte – möglicherweise bereits am Samstag bei einem Gipfeltreffen im brasilianischen Foz do Iguaçu. Offiziell steht das Thema zwar nicht auf der Tagesordnung, doch ein Vorstoß einzelner Mitgliedstaaten gilt als wahrscheinlich. Frankreich gilt dabei als Wortführer der Gegner.

Angesichts der Demonstration im Stadtzentrum und des parallel stattfindenden EU-Gipfels warnt die Polizei vor erheblichen Verkehrsproblemen. Auch Blockaden an den Zufahrten zur Hauptstadt sind nicht ausgeschlossen. Die Behörden raten dringend davon ab, mit dem Auto nach Brüssel zu fahren, und empfehlen stattdessen Bahn, Metro oder andere öffentliche Verkehrsmittel. Auch der oberirdische Nahverkehr könnte jedoch beeinträchtigt werden. (belga/calü)

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