Schalke-Kapitän Kenan Karaman: „Wir dürfen nicht abheben“

<p>Kenan Karaman (Mitte) bejubelt sein Tor zum 1:0 in Düsseldorf.</p>
Kenan Karaman (Mitte) bejubelt sein Tor zum 1:0 in Düsseldorf. | Foto: Anke Waelischmiller/dpa

Und doch herrschte nach Abpfiff ein erstaunlich nüchterner Ton bei den „Königsblauen“. Spieler und Verantwortliche mahnten geschlossen, trotz der starken Hinrunde auf dem Boden zu bleiben – Euphorie ja, aber bloß keine Selbstzufriedenheit.

Für Kapitän Kenan Karaman war der Abend ein persönliches Jubiläum. Der 31-Jährige absolvierte sein 100. Pflichtspiel im blau-weißen Trikot und erzielte bei seinem Ex-Klub das wichtige 1:0 per Strafstoß. „Es war ein sehr schöner Tag für mich. Es hat sich fast wie ein Heimspiel angefühlt“, sagte er gegenüber dem GrenzEcho. Über seinen emotionalen Jubel vor der Fortuna-Kurve sagte er: „Ich mache heute mein 100. Spiel für Schalke, da darf ich schon jubeln. Das war nichts gegen die Fortuna, ich hatte hier eine schöne Zeit.“

<p>Kenan Karaman (links, mit der Nummer 19) erzielt das Tor zum 1:0 für Schalke gegen Fortuna-Torwart Florian Kastenmeier (rechts).</p>
Kenan Karaman (links, mit der Nummer 19) erzielt das Tor zum 1:0 für Schalke gegen Fortuna-Torwart Florian Kastenmeier (rechts). | Foto: Anke Waelischmiller/dpa

Den Elfmeter verwandelte er gegen seinen früheren Teamkollegen Florian Kastenmeier. „Mit Flo habe ich noch zusammengespielt, er kennt mich ganz gut. Ich hätte nicht gedacht, dass er in die Ecke springt“, so Karaman. „Ich habe aber sehr platziert geschossen – umso schöner, dass wir dadurch in Führung gehen konnten.“ Zur Pause blieb Karaman draußen. „Ich hatte die ganze Woche schon Muskelprobleme und kaum mit der Mannschaft trainiert. Ich wollte nichts riskieren, damit ich die nächsten beiden Spiele absolvieren kann.“ Die medizinische Abteilung habe „alles gegeben“, damit er überhaupt spielen konnte. Mit 34 Punkten nach 15 Spielen steht Schalke 04 hervorragend da. Trotzdem bleibt der Kapitän vorsichtig: „Platz eins ist nur eine Momentaufnahme. Wir dürfen nicht abheben und müssen jedes Spiel mit derselben Energie angehen.“ Die Herbstmeisterschaft ist möglich. Zwei Spiele stehen noch an: zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg und eine Woche später bei Eintracht Braunschweig. „Natürlich wollen wir beide gewinnen. Dann sind wir oben“, sagte Karaman. „Aber damit hat man leider noch nichts gewonnen. Es gibt uns viel Selbstvertrauen, mehr nicht.“ Auch die Kulisse in Düsseldorf beeindruckte ihn. „Wir wussten, dass viele Fans kommen, aber so viele hatte ich nicht erwartet. Beim Aufwärmen haben wir gemerkt, dass es heute fast wie ein Heimspiel wird“, meinte Karaman. Auch die Verantwortlichen mahnten nach der Partie zur Zurückhaltung. Sportchef Youri Mulder warnte ausdrücklich vor Bequemlichkeit – dafür gebe es allerdings auch überhaupt keine Anzeichen, und dafür werde Trainer Miron Muslic auch sorgen. Dieser betonte, das Schalker Erfolgsrezept sei der klare Wettbewerbsfokus von Spiel zu Spiel, nicht der Blick auf die Tabelle.

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Schalke-Torwart Loris Karius, Luca Raimund (Fortuna Düsseldorf) und Mika Wallentowitz (Schalke 04, von links) kämpfen um den Ball. | Foto: Anke Waelischmiller/dpa

Loris Karius: „Hätte ich nicht daran geglaubt, hätte ich meinen Vertrag nicht verlängert“

Nach dem Schalker 2:0-Sieg bei Fortuna Düsseldorf sprach das GrenzEcho auch mit S04-Torhüter Loris Karius:

Herr Karius, wie fällt Ihr Resümee zum Spiel aus?

Ja, ein Arbeitssieg. Das war nicht schön, aber am Ende sind es drei Punkte. Wir haben schon bessere Spiele gemacht. Wir haben es uns teilweise unnötig schwer gemacht, obwohl wir in Überzahl waren. Aber am Ende nimmst du dann die Punkte mit – und weiter geht’s.

Viele sprechen jetzt von der Herbstmeisterschaft. Was sagen Sie dazu?

Zwei Spiele sind es noch. Wenn wir die gewinnen, sind wir Herbstmeister, wenn nicht, dann wahrscheinlich nicht. Jetzt versuchen wir, drei Punkte gegen Nürnberg zu holen und nochmal drei Punkte gegen Braunschweig. Das ist eine schöne Sache, aber kaufen können wir uns davon nichts. Trotzdem ist es mit Sicherheit ein Ziel, das wir jetzt haben.

Hätten Sie nach der letzten Saison – und vor allem nach dem schwierigen Saisonende – zu träumen gewagt, dass man ein halbes Jahr später da steht, wo man jetzt steht?

Hätte ich nicht dran geglaubt, hätte ich meinen Vertrag nicht verlängert. Ich war immer sehr positiv gestimmt. Natürlich geht es nur über harte Arbeit. Das Glück auf unserer Seite brauchst du auch, aber geglaubt habe ich auf jeden Fall daran.

INFO

Nach dem 2:0 bei Fortuna Düsseldorf hat Karius Hassnachrichten erhalten und diese öffentlich gemacht. „Normalerweise ignoriere ich solche Personen. Aber es ist traurig und geht deutlich zu weit, was manche Menschen bei Social Media von sich geben“, schrieb der 32-Jährige in einer Instagram-Story, in der er eine der Nachrichten publik machte. Ein Nutzer hatte Karius sowie dessen Familie demnach aufs Übelste beleidigt und der Tochter des Torwarts den Tod gewünscht. FC Schalke 04 prüft nach dpa-Informationen die Einleitung rechtlicher Schritte. Zuerst hatte die „Bild“ darüber berichtet. Bereits im April 2024 hatten sich die Gelsenkirchener der Initiative „Wer hetzt, verliert“ angeschlossen. In Nordrhein-Westfalen arbeitet die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime eng mit den Vereinen zusammen, um strafrechtlich relevante Kommentare konsequent zu verfolgen.

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