Bei insgesamt 17 Hausdurchsuchungen wurden acht Personen festgenommen; vier von ihnen wurden unter Verdacht gestellt, zwei per Haftbefehl in Untersuchungshaft genommen. Das teilte die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Samstag mit.
Das Verfahren begann, nachdem zwischen August und September 2024 fünf Pakete mit Pregabalin-haltigen Arzneimitteln bei einem Kurierdienst abgefangen worden waren. Die Medikamente entsprachen nicht der belgischen Gesetzgebung. Zudem ist ihre Einfuhr durch Privatpersonen verboten. „Die Pakete waren für eine Adresse in Brüssel bestimmt, und das Ermittlungsverfahren konnte rasch eine Person identifizieren, die mit diesen Lieferungen in Verbindung stehen und eine zentrale Rolle im groß angelegten internationalen Medikamentenhandel spielen soll“, so die Staatsanwaltschaft. „Diese Person wurde später bei einer Verkehrskontrolle zusammen mit einer weiteren Personen angehalten – in einem Fahrzeug, das zu einer belgischen Firma mit Sitz in der Region Lüttich gehört. An Bord fanden die Ermittler Arzneimittel, die nur gegen ärztliches Rezept abgegeben werden dürfen.“ Die Auswertung beschlagnahmter Mobiltelefone brachte Hinweise auf umfangreiche Kommunikation über Warenübergaben und Lagerorte zutage – einschließlich Fotos und Videos großer Mengen an Medikamenten. „Die Gespräche zeigen auch den Austausch über verschiedene Medikamente wie Pregabaline, Lyrica, Tramadol, Sudapet, Tamoll-X, Preganet, Zolpidem, Ksalol, Rivotril, Oxymorphone, Gerica, Oxycodone sowie über andere Betäubungsmittel wie Haschisch, Zigaretten und Tabak, Fotos von Schusswaffen und die Nutzung verschiedener Lagerorte“, heißt es weiter. „Die beiden Personen sollen innerhalb der mutmaßlichen Organisation von mehreren weiteren Beteiligten unterstützt worden sein.“ Bereits zuvor waren mutmaßliche Mitglieder bei getrennten Einsätzen aufgeflogen: Im April 2025 wurden zwei Beteiligte mit rund 50 Kilogramm Rivotril gestoppt, im Juli 2025 ein weiteres Mitglied mit mehreren Betäubungsmitteln, darunter 9.000 Tabletten Lyrica und Pregabalin.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft versuchte die Organisation, zahlreiche Immobilien – darunter Wohnungen, Geschäftsräume und Lagerhallen – anzumieten. Sie verfügte demnach über mehrere Lagerorte und Fahrzeuge, darunter solche mit schwedischen und tschechischen Kennzeichen. Hinweise aus dem Ermittlungsdossier deuten auf mögliche Standorte in Lüttich, Machelen, Fléron und Evere hin. „Es gibt auch Anzeichen dafür, dass diese Organisation mit anderen Gerichtsverfahren zu Medikamentenhandel sowie mit Dossiers über Gewalttaten in Verbindung steht, darunter versuchte Tötungsdelikte und Entführungen im Rahmen interner Abrechnungen“, so die Staatsanwaltschaft. Am vergangenen Donnerstag (4. Dezember) wurden schließlich 17 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Acht Personen wurden festgenommen, fünf dem Staatsanwalt vorgeführt. Vier von ihnen wurden unter Verdacht gestellt – unter anderem wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation, illegaler Ein- und Ausfuhr von Arzneimitteln, Besitz und Verkauf von Betäubungsmitteln als Gruppe, Geldwäsche und Besitz verbotener sowie genehmigungspflichtiger Schusswaffen. Gegen zwei Beschuldigte wurde ein Haftbefehl erlassen. Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler fast 240.000 Tabletten, rund 600 Gramm Cannabis, etwa 1 Kilogramm XTC, 2,2 Kilogramm Hasch, vier Schusswaffen samt Munition sowie rund 30.000 Euro sicher. (belga/sc)

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