Während die in Belgien aktiven Energieversorger 2020 noch rund 1.662 Gigawattstunden zusätzliche Kapazität – bzw. erwartete Leistung – aus Solar- und Windkraft für die Jahre 2018 und 2019 angaben, sank dieser Wert für 2023 und 2024 auf insgesamt 821 Gigawattstunden. Das entspricht einem Rückgang von 51 Prozent, wie Greenpeace vorrechnet.
„Selbst gutwillige Anbieter schaffen es oft nicht, ihre Versprechen einzuhalten“, betont Tobias Pans, Energieexperte bei Greenpeace Belgien. Die Geschichten über Windkraftprojekte, die an Widerstand scheitern, seien allgemein bekannt. „Unsere Behörden müssen dringend handeln und so viele Hindernisse wie möglich aus dem Weg räumen – insbesondere muss die regionale Genehmigungspolitik überarbeitet werden.“
Besonders stark eingebrochen sind laut Greenpeace die Investitionen in Offshore-Windkraft. Doch selbst ohne diesen Bereich zeigen die Zahlen einen Rückgang um 17 Prozent bei den erneuerbaren Energien insgesamt. Der Ausbau der Solarkapazitäten verlaufe zwar weniger mühsam, könne den Rückstand beim Wind aber nicht ansatzweise kompensieren.
Im neuen Ranking der Energieversorger stellt Greenpeace zudem fest, dass „kein einziger Anbieter in Belgien ausreichend Maßnahmen ergreift, um die Nutzung fossiler Energieträger für das Heizen schrittweise zu beenden“. Damit seien die meisten Versorger nicht mehr auf Kurs, ihr Ziel zu erreichen, ab 2035 ausschließlich erneuerbare Energie zu liefern – ein Ziel, das laut NGO notwendig ist, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Manche Energieunternehmen würden den Übergang sogar aktiv behindern, kritisiert Pans. TotalEnergies und Mega etwa „täuschten Verbraucher, indem sie CO₂-Emissionen durch fragwürdige Kompensationsmaßnahmen ausgleichen“. Engie werbe zugleich für neue Gasheizungen – „und zementiert damit den Status quo“.
Auch die Behörden bekommen schlechte Noten. Greenpeace bemängelt die „zu langsame“ Elektrifizierung der Heizsysteme. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber weiterhin nicht ausreichend, um Strom gegenüber fossilen Brennstoffen attraktiver zu machen.
Im Ranking der knapp zwanzig bewerteten Unternehmen verzeichnet Greenpeace zwei deutliche Abstürze: Eneco rutscht von 16 auf 13 von 20 möglichen Punkten ab (Platz 7), Engie-Electrabel fällt von 7 auf 3 Punkte und landet damit auf dem letzten Platz.
Positiv fällt der Neueinsteiger EnergyVision auf: Mit 18 von 20 Punkten springt das Unternehmen direkt auf Rang 4 – hinter den drei Genossenschaften Cociter, Ecopower und Wase Wind, die die Höchstwertung erreichen. Luminus landet mit 7 Punkten im unteren Mittelfeld, Mega erhält 5 Punkte und TotalEnergies 4 Punkte. (belga/rt)

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