Von Miete bis Reparatur: Wie belgische Mode nachhaltiger werden will

<p>Forscher fordern Steueranreize für nachhaltige Mode in Belgien.</p>
Forscher fordern Steueranreize für nachhaltige Mode in Belgien. | Foto: picture alliance/dpa

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass das gängige Vorurteil, nachhaltige Mode sei grundsätzlich zu teuer oder unrealistisch, nicht stimmt. Drei Jahre lang testeten sie gemeinsam mit Marken wie Xandres, Filou & Friends, JBC, Torfs und Dressr unterschiedliche Modelle in der Praxis. Das Fazit: Zirkuläre Ansätze funktionieren, doch sie sind komplex, aufwendig und nicht als Standardlösung für jedes Unternehmen geeignet. „Eine Reparaturwerkstatt kann für das eine Label sinnvoll sein, während bei einer anderen Marke ein Second-Hand-Angebot besser ankommt“, erklärt Jolien Roedolf von der Hochschule Thomas More. Jedes Unternehmen müsse herausfinden, was zu seinen Kunden, zu den Mitarbeitenden und zum eigenen Geschäftsmodell passt. Vor allem maßgeschneiderte Lösungen und die damit verbundene Logistik verursachen Kosten und Unsicherheiten – ein Grund, warum viele Unternehmen trotz Motivation zögern.

In der Praxis probierten die Projektpartner sehr unterschiedliche Ansätze aus. Das Vermietungs-Start-up Dressr untersuchte etwa, warum Konsumenten Kleidung mieten – oder bewusst darauf verzichten – und passte daraufhin sein Preismodell an. Filou & Friends verknüpfte den Wiederverkaufswert von Kleidungsstücken mit einem digitalen Produktpass, während Xandres mit Second-Hand-Verkauf direkt im Geschäft experimentierte. Auch andere Akteure suchten nach neuen Wegen: Die Secondhandladen Antwerpen und Trosort testeten digitale Sortiersysteme für gebrauchte Kleidung, um effizienter zu arbeiten. Studio Ama beschäftigte sich damit, wie emotionale Bindung dazu beiträgt, dass Kleidung länger genutzt wird, und die Schuhkette Torfs setzte auf Workshops rund um Pflege, Reparatur und Upcycling.

Für Marie Das von der Universität Antwerpen ist klar: „Eine zirkuläre Strategie muss nicht nur ökologisch sein, sondern auch menschlich gedacht werden. Modeunternehmen fürchten die hohen Investitionen, weil die Vorteile erst langfristig sichtbar werden.“ Kurzfristige Renditeerwartungen seien in diesem Feld kaum zu erfüllen, was viele Manager zurückhaltend mache.

Damit Firmen zirkuläre Ideen im größeren Stil umsetzen können, brauche es nach Einschätzung der Studienautorinnen und -autoren „finanzielle Luft zum Atmen“. Gefordert werden steuerliche Anreize, niedrigere Lohnkosten für Reparaturdienstleistungen sowie eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Second-Hand und Reparaturen. Reparieren, Mieten oder Weiterverkaufen müsse zur günstigsten und logischsten Option für Konsumentinnen und Konsumenten ebenso wie für Unternehmen werden. Wer den Wandel ernsthaft wolle, müsse nachhaltige Alternativen nicht nur ethisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch attraktiv gestalten, heißt es in der Studie. (belga/calü)

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