Schuldenfalle stoppen: Belgien verschärft Gesetz für Klarna und ähnliche Dienste

<p>Belgien verschärft Regeln: Klarna &amp; Co. müssen Minderjährige sofort ausschließen.</p>
Belgien verschärft Regeln: Klarna & Co. müssen Minderjährige sofort ausschließen. | Foto: picture alliance/dpa

BNPL-Dienste ermöglichen es, beim Online-Shopping schnell und unkompliziert einen kurzfristigen Kredit aufzunehmen. Genau darin sieht Rob Beenders jedoch ein wachsendes Risiko – besonders für junge Menschen. Laut Zahlen aus dem vergangenen Jahr landete jede fünfte Person, die ein solches Kreditmodell nutzte, am Ende bei einem Inkassobüro. Fast ein Drittel der Betroffenen war jünger als 24 Jahre.

„Es ist dringend notwendig, die Gesetzgebung zu modernisieren“, so Rob Beenders. „Die Klarnas dieser Welt müssen eindeutig unter das Konsumentenkreditgesetz fallen. Dann ist klar geregelt, dass sie Minderjährigen ihre Dienste nicht anbieten dürfen. Damit gibt es keinerlei Diskussion mehr, wenn jemand unter 18 dennoch versucht, einen Zahlkauf abzuschließen.“

Wer sich nicht an die neuen Vorgaben hält, muss mit empfindlichen Sanktionen rechnen: bis zu 800.000 Euro oder sechs Prozent des Jahresumsatzes. Beenders stellt zudem klar: „Wenn die BNPL-Anbieter die Regeln nicht einhalten, werden wir Identifikations-Apps wie ItsMe oder MyGov verpflichtend machen. Wir geben Klarna und Co. jetzt die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden.“

Künftig müssen BNPL-Anbieter außerdem prüfen, ob Kunden überhaupt kreditwürdig sind. Auch Banken werden stärker in die Pflicht genommen: Selbst Kleinkredite fallen künftig unter das Konsumentenkreditgesetz – vor deren Vergabe müssen Institute also ebenfalls die finanzielle Tragfähigkeit der Kundschaft überprüfen. Zudem soll das Überziehen eines Kontos nicht mehr so selbstverständlich möglich sein wie bisher.

Kreditgeber müssen Verbraucher künftig auch umfassender über den Schutz vor Überschuldung informieren. Wer einen Kredit aufnimmt, muss klar erfahren, an wen er sich wenden kann, wenn Rückzahlungen zum Problem werden.

Der Maßnahmenkatalog ist ein gemeinsames Projekt der Minister Rob Beenders, David Clarinval (MR) und Jan Jambon (N-VA) und wurde am Freitag im Ministerrat verabschiedet. „Wir schaffen damit die Voraussetzungen, um vor allem Minderjährige vor einer zu hohen Schuldenlast zu schützen. Gleichzeitig garantieren wir ein transparentes Konsumentenkredit-Angebot, das alle Akteure gleich behandelt“, erklärte Wirtschaftsminister David Clarinval (MR).

In den Zeitungen der Verlagsgruppe Sudpresse präzisierte Clarinval zudem, dass Banken nicht jedes Mal die Solvenz prüfen müssen, wenn Kunden gelegentlich ihr Konto überziehen – vorausgesetzt, dies geschieht stillschweigend mit Zustimmung der Bank. Solche kurzfristigen Überziehungen „bergen kein Risiko einer übermäßigen Verschuldung und sind oft ein effizientes Mittel, um unerwartete Ausgaben zu decken – häufig gegen Monatsende und nur für wenige Tage“, so Clarinval. (belga/calü)

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