Debatte um Migrationspolitik: Myria kritisiert verschärfte Regeln zur Familienzusammenführung

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Myria warnt vor Folgen der verschärften Regeln zur Familienzusammenführung. | Foto: belga

Wer bereits ein Familienmitglied mit festem Aufenthaltsstatus im Land hat, kann unter bestimmten Bedingungen selbst eine Aufenthaltserlaubnis beantragen – dieses Recht gilt sowohl für EU-Bürger als auch für Menschen aus Nicht-EU-Staaten.

2023 gingen die meisten über Familienzusammenführung vergebenen Aufenthaltsgenehmigungen an Menschen aus Marokko (7,7 %), Rumänien (7,6 %) und Spanien (6 %). Auch Personen aus den Niederlanden, Frankreich und Indien nutzen das System häufig.

Auffällig ist die demografische Struktur: 60 Prozent der Begünstigten sind Frauen, 57 Prozent minderjährig. Bei EU-Bürgern liegt der Anteil der Minderjährigen sogar bei 78 Prozent.

Für Visa liegen aktuelle Daten aus dem Jahr 2024 vor. Im Zusammenhang mit Familienzusammenführung wurden 30.985 Visa-Anträge gestellt – allesamt von Drittstaatsangehörigen, also Menschen von außerhalb der EU. 21.832 dieser Anträge wurden genehmigt, ein Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (19.766 Genehmigungen).

Verschärfte Regeln – unklare Folgen

Im vergangenen Sommer hat Asyl- und Migrationsministerin Anneleen Van Bossuyt (N-VA) die Regeln für Familienzusammenführung verschärft. Welche Auswirkungen diese Reform auf die kommenden Statistiken haben wird, ist laut Myria bisher unklar.

Das Migrationszentrum kritisiert die neuen Bestimmungen jedoch deutlich. Man „bedauere“ die Verschärfungen, heißt es. Sie könnten für viele Familien gravierende soziale und psychische Folgen haben: Wer getrennt bleibt, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt werden, erlebe häufig „Stress, Isolation und finanzielle Belastungen“.

Zudem warnt Myria vor negativen Auswirkungen auf die Besetzung von Mangelberufen in Belgien. Eine Reduzierung der Möglichkeiten zur Familienzusammenführung könne die Integration und langfristige Bindung von Fachkräften erschweren.

Mehrere Organisationen haben inzwischen Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof gegen die neuen Regeln eingelegt. Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus. (belga/calü)

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