Allein in der Region Brüssel-Hauptstadt wurden 2024 rund 25.000 Notrufe – 5,53 % aller eingegangenen Anrufe – erst nach mehr als drei Minuten Wartezeit beantwortet. In der Provinz Ostflandern waren es über 10.000 Anrufe (3,25 %), in der Provinz Antwerpen gut 4.400 (1,22 %).
Am wenigsten kritisch ist die Lage in der Provinz Wallonisch-Brabant, wo lediglich rund 50 Anrufende länger als drei Minuten in der Warteschleife hingen (0,06 %). Wie viele Notrufe überhaupt nicht beantwortet wurden, ließ Quintin allerdings offen.
Die veröffentlichten Zahlen zeigen, wie angespannt die Lage ist: Die elf Notrufzentralen des Landes verfügen derzeit über 308 Vollzeitstellen, obwohl laut föderaler Vorgabe mindestens 361 erforderlich wären, um einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten. Hinzu kommen ein überdurchschnittlich hoher Krankenstand und eine hohe Fluktuation.
Gleichzeitig klingeln die Notrufleitungen immer häufiger: 2,7 Millionen Anrufe gingen im vergangenen Jahr ein – ein Trend, der seit der Corona-Pandemie stetig steigt.
Das Kabinett von Innenminister Quintin betont laut Presseberichten, man habe in den vergangenen Monaten „kurzfristig reagiert“. So wurden sechs Mitarbeiter der föderalen Polizei vorübergehend in die Leitstelle von Ostflandern entsandt; außerdem laufen landesweite Rekrutierungskampagnen.
Für den Kammerabgeordneten Vandemaele sind die Maßnahmen jedoch bei weitem nicht ausreichend. Die Personalsituation sei so ernst, dass „Unfälle vorprogrammiert“ seien. „Bei einem Notruf kann ein verpasster Anruf buchstäblich über Leben oder Tod entscheiden“, warnt der Flame. Er fordert beschleunigte Ausbildungen und Neueinstellungen – und zudem bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung für die Telefonistinnen und Telefonisten der Leitstellen. (belga/calü)

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