„Anschlag auf den belgischen Fußball“: Welche Folgen hat das DAZN-Aus für die Fans?

<p>Ob das Heimspiel der AS Eupen (Zakaria Atteri am Ball) gegen Lommel am Freitagabend im Fernsehen übertragen wird, steht aktuell mehr denn je in den Sternen.</p>
Ob das Heimspiel der AS Eupen (Zakaria Atteri am Ball) gegen Lommel am Freitagabend im Fernsehen übertragen wird, steht aktuell mehr denn je in den Sternen. | Foto: belga

Die wichtigsten Fragen und Antworten – sofern es sie denn schon gibt – zu den neuesten Entwicklungen vom Dienstag.

1
Weshalb hat DAZN den TV-Vertrag mit der Pro League gekündigt?

Beide Parteien haben sich nicht auf eine Lösung einigen können, teilte DAZN am Dienstagmittag mit. Seit rund einem Monat fanden neue Verhandlungen mit der Vereinigung der belgischen Profiklubs über einen neuen TV-Rechtevertrag statt. Demnach wollte DAZN deutlich weniger Geld auf den Tisch legen, um weiterhin die Spiele von Union Saint-Gilloise, Club Brügge und Co. in die Wohnzimmer zu senden. Der millionenschwere Deal lief eigentlich noch bis Mitte 2030. Nun zieht der Streamingdienst vorzeitig den Stecker, auch aufgrund finanzieller Erwägungen und da der belgische Fußball nicht lukrativ genug erscheine. Zudem ging DAZN bei der Rechtevergabe der finanziell wesentlich reizvolleren Champions League zur Saison 2027-28 leer aus, während Paramount+ groß ins Geschäft einsteigen wird. Für DAZN bleiben wiederum nur die Europa League und die Conference League.

2
Wie fielen die Reaktionen aus?

„Wir sind enttäuscht darüber, dass wir trotz verschiedener Lösungsversuche keine andere Möglichkeit mehr sehen, als den Vertrag zu beenden“, reagierte DAZN-Generaldirektor Massimo D´Amario in einer Mitteilung: „DAZN war schon immer ein Fan des belgischen Fußballs und wird es auch bleiben.“ Am Dienstagabend meldete sich Lorin Parys, CEO der Pro League, zu Wort und übte heftige Kritik am Vertragspartner: „Das ist ein Anschlag auf den belgischen Fußball, die Klubs und die Zuschauer. Wir werden alles unternehmen, um die Einhaltung der von DAZN eingegangenen Verpflichtungen durchzusetzen – einschließlich rechtlicher Schritte. Zwei Monate lang haben wir mit ihnen an einem Tisch gesessen und Lösungen für ihre Sorgen gesucht. In den vergangenen zwei Wochen haben wir nichts mehr von ihnen gehört, und heute erhalte ich diese Nachricht aus der Presse. Das ist unglaublich und unerhört – wollen sie so mit dem belgischen Fußball umgehen? Wenn DAZN sich an die Absprachen hält, können wir am Wochenende wie gewohnt Fußball schauen.

3
Warum jetzt?

Die Frage ist berechtigt, schließlich geht am kommenden Wochenende in der 1. Division der letzte Spieltag der Hinrunde über die Bühne. Tatsächlich hat der Zeitpunkt des Vertragsaus allerdings nichts mit dem Saisonplan zu tun. Vielmehr steht am Montag der Monatswechsel zum Dezember an, und da wäre die nächste Zahlung von DAZN an die Pro League fällig (gewesen). Noch zum Novemberbeginn hatte der Konzern seine Rate überwiesen, hinter der bereits damals ein großes Fragezeichen gestanden hatte. Mit dem Vertragsende werden nun keine Zahlungen mehr getätigt, selbst ein möglicher Rechtsstreit dürfte so kurzfristig daran nichts ändern.

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Wo kann ich die AS Eupen am Freitag sehen?

Stand jetzt nur im Kehrwegstadtion, wo die „Pandas“ um 20 Uhr auf Lommel treffen. Da eine Reaktion der Pro League wie gesagt noch aussteht, ist die TV-Zukunft der Spiele in der 1. Division und der Challenger Pro League unklarer denn je. Stand jetzt dürften die Bildschirme schwarz bleiben. DAZN betont allerdings, für Gespräche mit der Pro League offen zu sein. „Wir sind weiterhin bereit, im Rahmen einer neuen Vereinbarung die Übertragungen des belgischen Fußballs für den Rest der Saison fortzusetzen, damit die Fans keine Nachteile erfahren.“ Auch Lorin Parys signalisierte die Verhandlungsbereitschaft der Pro League.

5
Kann die Pro League die Spiele selber übertragen?

Planungen rund um einen eigenen Medienkanal gab es in der Vergangenheit immer wieder. Allerdings benötigt die Pro League trotzdem einen Vertriebspartner. Sollten sich jegliche weitere Verhandlungen mit DAZN zerschlagen, müsste sich der Verband nach einem neuen Übertragungsdienst umschauen.

6
Was passiert mit den DAZN-Abos?

„Uns ist wichtig, jeden Fan persönlich über die Konsequenzen aufzuklären. Sobald mehr Klarheit herrscht, werden wir uns mit allen nötigen Informationen zu unseren Inhalten und den Tarifen melden“, versicherte DAZN in einer Mail an alle Kunden, löscht die großen Fragezeichen derer, die zu Saisonbeginn extra wegen des belgischen Fußballs ein Abonnement abgeschlossen hatten, damit jedoch (noch) nicht. „Ich habe mit DAZN vereinbart, dass sie ihre Abonnenten in diesem Fall unverzüglich informieren und sie fragen müssen, ob sie ihr Abo kündigen möchten oder nicht“, erklärte Verbraucherschutzminister Rob Beenders (Vooruit): „Die Einstellung der Fußballübertragungen bedeutet auch, dass Abonnenten ihr Abonnement kostenlos kündigen können. Ich erwarte von DAZN, dass es sich an diese schriftlich getroffene Vereinbarung hält.“ Er stehe im direkten Kontakt mit der Pro League und dem Streamingdienst und hoffe auf eine schnelle Lösung.

7
Welche Hürden kommen auf die Vereine zu?

So manchem Vereinsverantwortlichen dürfte am Dienstagmittag der Schweiß ausgebrochen sein. Die Pro League hatte bislang 84 Millionen Euro pro Jahr kassiert, nun dreht DAZN den Geldhahn zu. Dadurch droht auch den Vereinen der Verlust einer wichtigen Einkommensquelle. „Bleiben die Zahlungen von DAZN aus – und dabei geht es um sehr viel Geld – könnte das bei vielen Klubs zu Liquiditätsproblemen führen“, erklärt Medienökonom Tom Evens gegenüber „sporza“: „Bei einigen besteht das Budget zu einem Fünftel oder sogar zu einem Viertel aus diesem Geld. Das betrifft vor allem die mittelgroßen und kleinen Vereine, die möglicherweise die Spielergehälter nicht mehr bezahlen könnten. Für sie könnte das wirklich den Unterschied zwischen Existenz und Nicht-Existenz bedeuten.“ Zumal eine fehlende TV-Übertragung auch weniger beziehungsweise gar keine Sichtbarkeit für Sponsoren mit sich bringt. (tf)

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