Vor allem die Einschätzung der Schwere sexistischer Verhaltensweisen hat sich verändert. 66 Prozent der Männer bewerten solche Situationen inzwischen als „sehr gravierend“ (2016 waren es 53 Prozent), bei jungen Frauen unter 35 Jahren sind es sogar 81 Prozent. Deutlich wird zugleich ein Unterschied in der Wahrnehmung zwischen den Geschlechtern: 43 Prozent der Männer glauben, dass Sexismus zurückgegangen sei – nur 29 Prozent der Frauen teilen diese Ansicht.
Zwischen 2016 und 2024 nahmen laut der Studie alle Formen von Sexismus zu. Sexistische Witze machen mit 88 Prozent den größten Anteil aus (+5 Prozent), gefolgt von beleidigenden Aussagen (27 Prozent, +3 Prozent), Hinterherrufen oder Pfeifen (16 Prozent, zuvor 9 Prozent) und körperlichen Übergriffen (12 Prozent, +3 Prozent). Im Ländervergleich zeigt sich, dass das Ausmaß von Sexismus in Belgien und Frankreich ähnlich hoch ist. Dennoch scheint der Umgang damit in Belgien etwas toleranter zu sein: Rund 20 Prozent der weiblichen Führungskräfte geben an, heute nicht besser reagieren zu können als vor zehn Jahren – in Frankreich sagen das nur 10 Prozent. Dort existiert zudem seit einigen Jahren ein gesetzlicher Rahmen, der Arbeitgeber verpflichtet, Verfahren zur Meldung von Sexismus einzuführen. Beschäftigte müssen darüber informiert sein und dies bei Bedarf nachweisen können. Die Studie empfiehlt die Einführung eines vergleichbaren Systems auch in Belgien.
Die häufigsten Orte sexistischer Erfahrungen sind laut den Befragungen der öffentliche Raum, gefolgt vom Arbeitsplatz, dem privaten Umfeld und dem Bildungsbereich. Mehr als drei Viertel der Frauen (78 Prozent) melden Vorfälle nicht. Zudem fühlen sich 68 Prozent nach einem Hinweis an Vorgesetzte oder Behörden nicht ausreichend geschützt. Die Untersuchung weist darauf hin, dass Sexismus langfristige Folgen haben kann – etwa Burn-out, berufliche Ausgrenzung oder verlorene Karrierechancen. Rund 70 Prozent der Arbeitsunfähigkeiten von mehr als sechs Monaten, die auf Burn-out oder Angststörungen zurückgehen, betreffen Frauen. (belga/rt)

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