Uniklinik korrigiert ihre Baustrategie – Planung für neuen OP-Bereich in Aachen startet

<p>Der neue OP soll moderner werden und mehr Raum für Synergien bieten.</p>
Der neue OP soll moderner werden und mehr Raum für Synergien bieten. | Foto: dpa

Die Details dazu ergeben sich aus einer Vorabinformation zur Ausschreibung, die seit Mitte November öffentlich ist. Die Aachener Zeitung hatte zunächst zuerst darüber berichtet.

Der vorherige Plan wurde auf Grund zu hoher Kosten verworfen.

Klinikvorstand Joachim Windolf erklärt, dass sich Klinikleitung und Wissenschaftsministerium bereits auf einen Bedarfskatalog geeinigt haben. Der geplante Neubau, intern als Erweiterungs-OP (EOP) bezeichnet, soll zwölf moderne Säle umfassen, die technisch für robotergestützte Eingriffe ausgerüstet oder zumindest vorbereitet sind. Da der frühere Zentral-OP mit 35 Sälen deutlich größer ausgelegt war, bleibt die Klinik auf viele OP-Räume im Altbau weiterhin angewiesen.

Aktuell stehen zwei Operationsroboter und ein Hybrid-OP zur Verfügung. Weitere Anschaffungen sind nicht Teil der konkreten Ausschreibung, gelten aber als möglich. Fest vorgesehen ist dagegen, die neuen Säle mit aktueller CT- und MRT-Technik auszurüsten, damit während eines Eingriffs Bildgebung möglich ist. Ziel ist es, die chirurgischen Arbeitsabläufe an den modernsten Stand anzupassen. Wie groß der Neubau werden soll, ist noch offen. Zum Vergleich: Der bestehende Hybrid-OP im Altbau misst etwa 60 Quadratmeter, robotergestützte Arbeitsplätze benötigen meist mehr. Geplant ist, möglichst alle zwölf Säle auf einer Ebene unterzubringen. Darüber hinaus sollen Flächen für die sterile Aufbereitung, Lagertechnik und Gebäudetechnik auf weiteren Etagen entstehen. Insgesamt wird derzeit mit vier Geschossen gerechnet.

Für die Planung und Umsetzung soll ein Verfahren mit integrierter Projektabwicklung (IPA) genutzt werden. Dabei arbeiten Bauherr, Planer und ausführende Firmen parallel und eng abgestimmt, um Zeit zu sparen und Schnittstellenprobleme zu reduzieren. Dieses Verfahren ist im Klinikbau noch vergleichsweise neu und wurde bisher unter anderem in Stuttgart und Düsseldorf angewandt. Der Standort für den neuen OP-Bereich liegt auf der Südwestseite des Klinikgeländes, zwischen Altbau und Technikgebäude. In direkter Nähe entsteht derzeit bereits das neue Intensivmedizin- und Pflegegebäude OIP. An dieser Stelle steht auch der Rohbau eines früher vorgesehenen Zentral-OP-Bauteils. Ob Elemente daraus übernommen werden können, muss geprüft werden. Fachleute halten zumindest das bestehende Fundament für einen höheren Neubau eher für ungeeignet. Denkbar scheint hingegen eine Nutzung der vorhandenen Tunnelanbindung in das zweite Untergeschoss des Altbaus. Diese Verbindung ist besonders wichtig, da sich auf dieser Ebene der bestehende OP-Bereich befindet. So können chirurgische Teams ohne aufwendige Wegezeiten zwischen beiden Bereichen wechseln.

Auch für Patiententransporte soll es laut Ausschreibung eine direkte bauliche Verbindung geben, unter anderem eine Brücke zum neuen Intensivgebäude OIP. Der gewählte Standort trägt zudem den Vorgaben des Denkmalschutzes Rechnung, der eine freie Sichtachse auf die historische Vorderfront des Altbaus verlangt. Noch offen sind die Kosten. Sicher ist lediglich, dass die bereits entstandenen Aufwendungen für den früheren Zentral-OP in die Rechnung eingehen. Die geschätzten 500 Millionen Euro für dieses Projekt hatten erheblich zur Entscheidung gegen dessen Umsetzung beigetragen. Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaftsministerium und Klinik scheint das Verhältnis inzwischen wieder geordnet. Windolf spricht von einem Neustart, der nun wieder Planungssicherheit biete.

Die Uniklinik möchte 2028 mit dem Bau des Gebäudes beginnen.

Die Uniklinik peilt an, 2028 mit dem Bau zu beginnen und den Betrieb des neuen EOP im Jahr 2032 aufzunehmen. Voraussetzung ist, dass die Stadt Aachen rasch neues Planungsrecht schafft. Der Planungsausschuss hat bereits die notwendigen Schritte eingeleitet und die Aufhebung des bisherigen Bebauungsplans beschlossen.

Parallel erarbeitet die Klinik einen neuen Masterplan für ihre langfristige Entwicklung. Erst wenn dieser abgestimmt ist, kann ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Dabei geht es auch um zentrale strategische Fragen: Lässt sich der Altbau umfassend sanieren oder muss über einen kompletten Neubau an anderer Stelle nachgedacht werden? In der Ausschreibung zum EOP werden jedenfalls mögliche Erweiterungen Richtung Kullenhofstraße erwähnt. Wie sich der Campus in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird, bleibt daher weiterhin offen. (red/mo)

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