Mammografie in der DG: Neue Maßnahmen für bessere Brustkrebsprävention

<p>Ein Computertomograph in einer radiologischen Abteilung: Solche modernen Bildgebungsverfahren ergänzen die Mammografie, wenn Befunde abgeklärt oder weitere Untersuchungen notwendig werden. Präzise Diagnostik ist ein zentraler Baustein der Brustkrebsfrüherkennung und -nachsorge in der DG.</p>
Ein Computertomograph in einer radiologischen Abteilung: Solche modernen Bildgebungsverfahren ergänzen die Mammografie, wenn Befunde abgeklärt oder weitere Untersuchungen notwendig werden. Präzise Diagnostik ist ein zentraler Baustein der Brustkrebsfrüherkennung und -nachsorge in der DG. | Foto: picture alliance/dpa

Vor diesem Hintergrund hat die Abgeordnete Evelyn Jadin (PFF) schriftliche Fragen an Gesundheitsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) gerichtet.

Anliegen ist es, die Brustkrebsprävention in der DG nicht nur medizinisch, sondern auch strukturell weiterzuentwickeln. Anlass war der Weltbrustkrebstag am 1. Oktober. „Dieser Tag erinnert uns jedes Jahr daran, dass Brustkrebs nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen ist und eines der größten Gesundheitsprobleme in Belgien bleibt“, schreibt dazu die Abgeordnete Evelyn Jadin. Die Früherkennung spiele dabei eine zentrale Rolle, da sie Tumore in frühen Stadien sichtbar mache und so die Heilungschancen deutlich erhöhe. Deshalb unterstützt die Deutschsprachige Gemeinschaft das belgische Screening-Programm, das Frauen von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre eine kostenlose Mammografie ermöglicht.

Organisiert wird es gemeinsam mit dem CCRef, und die Radiologiezentren in Eupen und St.Vith sind ebenfalls eingebunden. Aktuelle Berichte im GrenzEcho hätten zudem gezeigt, wie wichtig eine gut strukturierte Nachsorge ist – und dass auch Männer, wenn auch selten, betroffen sein können, so Jadin. Eine vom GrenzEcho zitierte Umfrage zeige, dass viele Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich bereit wären, sich auf genetische Risikofaktoren wie BRCA1 und BRCA2 testen zu lassen, der Zugang zu solchen Tests jedoch begrenzt sei. Zudem mache das Mammobil der Provinz Lüttich vor, wie mobile Vorsorgeangebote in ländlichen Regionen funktionieren, so Jadin. Sie will wissen, wie gut das Screening in der DG läuft und ob Organisation, Kooperationen, Wartezeiten, Nachsorge, digitale Unterstützung sowie künftige Sensibilisierung – etwa zu BRCA-Tests und Brustkrebs bei Männern – verbessert werden sollen.

DG-Gesundheitsministerin Lydia Klinkenberg bezeichnet Brustkrebs als „eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen in Belgien“. 2023 seien 11.636 neue Fälle diagnostiziert worden. „Fast jede achte Frau wird im Laufe ihres Lebens mit dieser Krankheit konfrontiert. Sie macht ein Drittel aller weiblichen Krebsdiagnosen aus und ist somit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 80 Prozent der von Brustkrebs betroffenen Frauen sind 50 Jahre und älter.“ In der DG erkranke etwa jede zehnte Frau. Seit dem Jahr 2003 existiere das organisierte kostenlose Screening, das sich an alle Frauen zwischen 50 und 69 richte. Über die „Banque Carrefour“ ermittelt das CCRef die Zielgruppe und lädt alle zwei Jahre schriftlich ein. Frauen in Behandlung erhalten keine Einladung. Die Untersuchung erfolgt im Krankenhaus Eupen oder der Klinik St.Vith. Die Aufnahmen würden doppelt, bei Bedarf dreifach unabhängig ausgewertet, um die Diagnosesicherheit zu erhöhen. Ergebnisse gehen innerhalb einer Woche an Arzt oder Patientin; negative Befunde erläutert der Hausarzt. Positive oder unklare Resultate gehen direkt an den Arzt, die Patientin erhält das Schreiben erst 15 Tage später – „damit der Arzt sie vorher kontaktieren kann“.

Seit dem Jahr 2022 seien Ergebnisse bei Zustimmung auch über das Portal „Meine Gesundheit“ einsehbar. „Bei ca. 10 % der Frauen ist der Mammotest positiv. (...). In 19 von 20 Fällen ist ein positiver Mammotest kein Krebs“, so Lydia Klinkenberg. „Bei 1 von 20 positiven Mammotest handelt es sich um Krebs.“ Die Teilnahme am organisierten Screening sei mit unter 10 % sehr niedrig, obwohl insgesamt 40–45 % der Frauen eine Vorsorgeuntersuchung durchführen – viele individuell oder in Deutschland, wozu keine Daten vorliegen. Individuelle Untersuchungen seien nicht qualitätskontrolliert, betont die Ministerin. Das organisierte Screening hingegen biete doppelte Befunde, geschultes Personal und standardisierte Abläufe. „Trotz 20 Jahren organisierter Früherkennung haben im Jahr 2024 nur etwa 8 % der anspruchsberechtigten Frauen einen Mammotest durchgeführt – weit entfernt vom europäischen Ziel von 75 %.“ Belgienweit erreiche man kombiniert rund 60 %. In Ostbelgien sei das Verhältnis von organisiertem zu individuellem Screening seit Jahren unverändert.

Um mehr Frauen zu erreichen, soll ab 2026 zusätzlich zur Posteinladung eine digitale Einladung über „My eBox“ verschickt werden. Und Hausärzte sollen automatisch Hinweise erhalten, wenn Mammotests nicht wahrgenommen wurden. Auch ein fest vorgeschlagener Termin – wie in Flandern – werde geprüft, so Lydia Klinkenberg. Mobile Lösungen wie das Mammobil seien wegen kurzer Wartezeiten und guter Erreichbarkeit in der DG nicht erforderlich.

Ultraschalltermine bei positiven Befunden würden innerhalb einer Woche vergeben. Die Behandlung erfolge im Netzwerk MOVE in Kooperation mit dem CHC und bei Bedarf dem Klinikum Aachen; die freie Arztwahl bleibe gewährleistet. In zweiwöchentlichen COM-Besprechungen legen Fachärzte gemeinsam Diagnosen, Therapie- und Nachsorgepläne fest. Beide DG-Kliniken verfügen über die anerkannte onkologische Grundversorgung. Ab 2026 sollen bestimmte Aufgaben verstärkt in den koordinierenden Brustkliniken gebündelt werden, um die Qualität weiter zu erhöhen.

Unterstützungsnetz von Stiftungen, Wohlfühlhäusern und Krankenkassen

Zudem gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote: die Josephine-Koch-Stiftung, die Krebshilfe Süden, mehrere Wohlfühlhäuser – besonders Lichtblicke – sowie das neue Wohlfühlhaus Moresnet. Diese bieten psychosoziale Begleitung, Fahrdienste und finanzielle Unterstützung an. Auch Krankenkassen organisieren Informationsabende. Die Deutschsprachige Gemeinschaft plant weitere Sensibilisierungskampagnen rund um den Brustkrebsmonat Oktober und beteiligt sich an Aktionen wie dem „Lauf für das Leben“. Brustkrebs bei Männern soll zudem stärker thematisiert werden, auch wenn es derzeit keine spezifischen Vorsorgeempfehlungen gibt. Bei familiärer Vorbelastung komme ein BRCA-Test infrage, durchgeführt in spezialisierten Zentren und weitgehend durch die Krankenkassen erstattet, teilt die Gesundheitsministerin weiter mit. (sc)

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