)Ein Vermächtnis ist eine Spende, die im Testament festgehalten wird und erst nach dem Tod der betreffenden Person wirksam wird. Laut einer Umfrage im Rahmen des Barometers erklären sich 30 Prozent der Belgier bereit, eine wohltätige Organisation in ihr Testament aufzunehmen. Vier Prozent haben diesen Schritt bereits vollzogen. Im vergangenen Jahr profitierten 169 Organisationen von solchen Zuwendungen – das entspricht 48 Prozent der gemeinnützigen Einrichtungen, für die Zahlen vorlagen. Der durchschnittliche Betrag lag bei 62.877 Euro. Bei größeren Organisationen machen Vermächtnisse inzwischen rund 17 Prozent der Gesamteinnahmen aus, bei kleineren kann der Anteil sogar ein Viertel erreichen. Bei den größten Akteuren des Sektors liegt er bei etwa acht Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich die regionale Ungleichheit bei der Verteilung. Die größten und meist in Brüssel ansässigen Organisationen erhalten den Löwenanteil der Mittel. Rund 70 Prozent aller durch Vermächtnisse erzielten Einnahmen gingen 2024 an Einrichtungen mit Sitz in der Hauptstadt. Die flämischen Organisationen kamen auf 22 Prozent, jene in der Wallonie auf lediglich acht Prozent. Diese Differenz erklärt sich hauptsächlich durch die Präsenz zahlreicher nationaler und internationaler Dachorganisationen in Brüssel. Insgesamt erhielten 72 Organisationen in der Hauptstadt, 75 in Flandern und 22 in der Wallonie Vermächtnisse im vergangenen Jahr. Der Medianbetrag pro Einrichtung lag in Brüssel bei 373.551 Euro, in Flandern bei 76.448 Euro und im Süden des Landes bei 323.069 Euro.
Die Stiftung gegen den Krebs erhielt mit 30,2 Millionen Euro den höchsten Betrag durch Vermächtnisse, gefolgt von Ärzte ohne Grenzen mit 22 Millionen Euro und Gemeinsam gegen Krebs (Kom op tegen Kanker) mit 20,6 Millionen Euro. Weit dahinter rangieren die Dienstleistungszentrale für häusliche Betreuung in Centre und Soignies mit neun Millionen Euro sowie der Fonds für wissenschaftliche Forschung (FNRS) mit 8,4 Millionen Euro. Insgesamt entfielen 32 Prozent der Vermächtnisse auf den Bereich Gesundheit, 18 Prozent auf internationale Solidarität und 14 Prozent auf Bildung und Forschung.
Der Barometerbericht betont, dass der gemeinnützige Sektor zunehmend unter dem Rückgang oder Wegfall öffentlicher Fördermittel leidet. Organisationen, die dort einspringen, wo der Staat nicht oder nicht ausreichend tätig wird, seien immer stärker auf alternative Finanzierungsquellen angewiesen. Vermächtnisse böten in diesem schwierigen Umfeld eine dringend benötigte finanzielle Luft zum Atmen. (belga/rt)

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