Unter Sextorsion versteht man eine Masche, bei der Täter zunächst über soziale Medien oder Gaming-Plattformen Kontakt aufnehmen, Vertrauen aufbauen und die Betroffenen dann zu intimen Bildern drängen. Anschließend werden diese Aufnahmen benutzt, um die Opfer unter Druck zu setzen: Wer nicht bezahlt oder weiteres Bildmaterial liefert, müsse mit der Veröffentlichung rechnen.
Allein in diesem Jahr hat Child Focus bereits über 350 Fälle solcher Erpressung eröffnet – ein Anstieg von 130 Prozent gegenüber 2024. Besonders auffällig: 93 Prozent der neuen Dossiers im Bereich der finanziellen Sextorsion betreffen Jungen. Child Focus geht allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da Jungen seltener Hilfe suchen als Mädchen.
Ein weiterer Grund zur Sorge ist der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) durch kriminelle Gruppen. Täter tarnen sich immer häufiger mit realistisch wirkenden KI-Profilfotos und erschweren so ihre Identifizierung. Zudem ermöglicht KI mittlerweile sogenannte „Deepnude“-Bilder – also künstlich entkleidete Aufnahmen, die aus völlig harmlosen Fotos erzeugt werden. Auch diese werden zur Einschüchterung und Erpressung genutzt.
Mit „Payboy“ will Child Focus gegenzusteuern. Die Plattform zeigt Jugendlichen, wie manipulative Strategien funktionieren, woran sie Sextorsion erkennen und wie sie sich schützen können. Neben interaktiven Elementen gibt es Erfahrungsberichte, Videos und konkrete Tipps.
„Wenn es passiert, ziehen sich viele junge Menschen aus Scham oder Angst zurück. Sie fürchten die Reaktionen ihrer Eltern oder Freunde“, erklärt Nel Broothaerts, Generaldirektorin von Child Focus. „Doch es kann wirklich jedem passieren – und gerade deshalb ist es so wichtig, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen.“
Opfern rät die Stiftung, niemals zu zahlen, Screenshots als Beweise zu sichern, den Kontakt sofort abzubrechen und sich einer Vertrauensperson anzuvertrauen. Unterstützung gibt es rund um die Uhr unter der kostenlosen Nummer 116000 von Child Focus oder über die Plattform Cybersquad. Auch eine Anzeige bei der Polizei ist jederzeit möglich. (belga/calü)

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