Abgeordnete Kathy Elsen bricht Lanze für Meisterbrief – Minister Franssen bekennt sich zum bestehenden System

<p>Im Parlament der DG ging es um die Wertigkeit des Meisterbriefs.</p>
Im Parlament der DG ging es um die Wertigkeit des Meisterbriefs. | Foto: belga

Hintergrund ihrer Fragen waren die jüngsten Reformen im Bereich der Selbstständigkeit und Unternehmensgründung: In der Wallonie wurde der Nachweis betriebswirtschaftlicher Kenntnisse für Handwerks- und Handelsberufe abgeschafft – eine Entscheidung, die zu tiefgreifenden Veränderungen führt.

„Als Begründung der Abschaffung wurde mitgeteilt, dass Studien gezeigt hätten, dass der verpflichtende Betriebsführungsnachweis kaum wirksam war und zum Beispiel die Zahl der Firmenpleiten nicht senkte. In Flandern war man bereits 2018 der Ansicht, dass man diese Verpflichtung aufgrund von EU-Recht nur auf Belgier anwenden kann. Somit könnten Bürger aus anderen EU-Staaten –ohne diese Verpflichtung zu erfüllen – ein Unternehmen gründen, was eine Diskriminierung darstellte“, erklärte Kathy Elsen. Zwar bleibe für die sogenannten „geschützten Berufe“ in der Wallonie weiterhin ein Nachweis der fachlichen Qualifikation erforderlich, doch der Schritt habe die Diskussion über die Wertigkeit des Meisterbriefs erneut entfacht. „Viele Jugendliche erkennen nach dem Gesellenbrief keinen unmittelbaren Mehrwert mehr, die Meisterausbildung anzustreben. Das ist bedauerlich, denn der Meisterbrief vermittelt nicht nur handwerkliche Exzellenz, sondern auch das unternehmerische Know-how, das zur Selbstständigkeit und Führungskompetenz im Handwerk unerlässlich ist. Durch den Meisterbrief erhält man ebenfalls die Qualifikation, deutlich früher Lehrlinge auszubilden.“ Es wäre bedauerlich, wenn solche Entscheidungen zu einem Verlust an Know-how und Unternehmergeist führten. „Dabei war der Meister immer ein Qualitätssiegel für verantwortungsvolles Unternehmertum und Fachkompetenz. Zudem zeigt sich ein Spannungsfeld: Einerseits sollen Hürden für Gründungen abgebaut werden, andererseits darf man die Bedeutung fundierter Kenntnisse in Betriebsführung, Buchhaltung und rechtlichen Pflichten nicht unterschätzen. Fehler in diesen Bereichen können für junge Selbstständige rasch gravierende Folgen haben.“ Minister Jérôme Franssen bezeichnete den Meisterbrief als „Gütesiegel für Qualität, Fachkompetenz und Führungsfähigkeit“ in Ostbelgien. Die Ausbildung umfasse nicht nur fachliches Know-how, sondern auch betriebswirtschaftliche, rechtliche und pädagogische Inhalte – also ein umfassendes Kompetenzprofil. „Zu welcher konkreten Entwicklung es führt, dass man zum Eintrag als Selbstständiger keine Betriebsführungskenntnisse mehr vorweisen muss, lässt sich derzeit noch nicht genau abschätzen“, meinte er. In diesem Ausbildungsjahr seien die Teilnehmerzahlen und damit auch die Kursstunden in der Meisterausbildung am ZAWM gestiegen. Neue Meisterkurse seien gestartet oder würden stabil weitergeführt.

„Fest steht: Die Regierung, das IAWM und das ZAWM werden an dem Weg festhalten, dass betriebswirtschaftliche Grundlagen ein fester Bestandteil des Meisterkurses bleiben“, machte Jérôme Franssen klar. Der Kurs sei inhaltlich vollständig und behandele nicht nur einzelne Teilbereiche, sondern behalte das „große Ganze“ im Blick. „Das Zusammenspiel aus Praxis, Fachkompetenz und Unternehmertum bleibt somit weiterhin relevant. In diesem Sinne bleibt das Angebot nicht nur bestehen – es wird gezielt weiterentwickelt. Betriebsführungskurse (A-Kurse) bleiben ein fester Bestandteil der Meisterausbildung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.“

Die Weiterbildungsakademie LevelUp des ZAWM biete zudem einen kompakten Crashkurs zum Thema Betriebsführung an. Dieser Kurs werde auch weiterhin angeboten und – ebenso wie der Betriebsführungsteil in den Meisterkursen – weiterentwickelt, sodass er den Teilnehmenden eine praxisnahe Unterstützung bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit bietet und eine wertvolle Weiterbildungsmöglichkeit darstellt.

Gezielte Werbemaßnahmen sollen künftig stärker auf die Qualität und die vielfältigen Möglichkeiten der Meisterausbildung aufmerksam machen. Um mehr Sichtbarkeit zu schaffen, würden die Ausbildungsbetriebe stärker eingebunden, Erfolgsgeschichten von Auszubildenden, Meisteranwärtern und Meistern sollen potenziellen Teilnehmenden die Perspektiven aufzeigen, und ein neuer interaktiver Internetauftritt ist für die duale Ausbildung geplant. Die Botschaft dabei laute: „Stolz sein auf das, was geschafft wurde.“

Mit Blick auf die Wallonie stellte Minister Franssen klar: „Die Regierung der DG plant keine Anpassung der dualen Ausbildung in Richtung der geplanten Reformen in der Wallonie, bei denen voraussichtlich bis zum 18. Lebensjahr nur der technisch-berufliche Unterricht und ab dem 18. Lebensjahr das IFAPME zuständig sein würde. Dies käme aus meiner Sicht dem Ende der dualen Ausbildung gleich. Dem werden wir in der DG auf keinen Fall folgen. Ich spreche mich deutlich für das bestehende System aus: Ausbildung zum Gesellen und darauf aufbauende Erlangung des Meisterbriefes, verbunden mit Betriebsführungskenntnissen.“

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