Die Mitglieder der Gruppe konnten sich mit dem Kirchenoberhaupt zu drei Schwerpunkten äußern: zur spirituellen Begleitung, zu Entschädigungsfragen sowie zur Botschaft „Nie wieder“. Die Begegnung dauerte zweieinhalb Stunden und damit rund eine Stunde länger als ursprünglich vorgesehen.
Englebert erläuterte, er habe dem Papst neun Vorschläge für das „Nie wieder“ unterbreitet. Leo XIV. habe darauf ausführlich reagiert, insbesondere auf den Vorschlag einer psychologischen Eignungsprüfung für angehende Geistliche. Der Papst habe erklärt, von dieser Idee überzeugt zu sein und sie selbst bereits in Chicago angeregt zu haben.
Zur Frage der Entschädigungen verwies Leo XIV. auf die Schwierigkeit, ein einheitliches System einzurichten, da sich die Rahmenbedingungen weltweit stark unterschieden. Zudem könne er nicht direkt in die Finanzverwaltung einzelner Bischöfe eingreifen. Er kündigte jedoch Gespräche mit den belgischen Bischöfen an, um den aktuellen Stand der Maßnahmen zu bewerten.
„Die Lage ist katastrophal, und der Papst hat anerkannt, dass es inakzeptabel ist, wenn keinerlei Empathie gezeigt wird“, erklärte Koen Van Sumere nach dem Treffen. Seinen Angaben zufolge ist im Anschluss ein weiteres Gespräch zwischen dem Papst und den belgischen Bischöfen vorgesehen. „Wir haben ihn gebeten, Druck auf die Bischöfe auszuüben.“
Ein Großteil der fünfzehn Teilnehmer hat zudem einen Brief an den Papst unterzeichnet, in dem die Abberufung von Luc Terlinden als Ansprechpartner für Missbrauchsopfer gefordert wird. „Er hört nicht zu, das ist verheerend“, sagte Van Sumere.
Der verstorbene Papst Franziskus hatte bei seinem Belgien-Besuch im September 2024 bereits eine Delegation von Überlebenden getroffen und sie zu einer Audienz im Vatikan eingeladen. Diese sollte ursprünglich um Ostern herum stattfinden, was durch seinen Tod verhindert wurde.
„Während Papst Franziskus stärker auf der emotionalen Ebene zuhörte, habe ich Leo XIV. als empathisch, aber strukturierter erlebt“, sagte Pierre Englebert.
Ziel des Treffens war es, die aktuelle Politik der belgischen Bischöfe zu beurteilen und dem Papst darzulegen. Der „Groupe des 15“ hatte am Dienstagabend erklärt, diese Politik gehe „nicht über Schadensbegrenzung hinaus“ und „ein echter Dialog mit der Kirche sei weiterhin nicht möglich“.
Die Gruppe vertritt mehr als 1.500 anerkannte Opfer sexueller Gewalt innerhalb der Kirche in Belgien. (belga/rt)

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