Der Bericht beschreibt, wie schwierig es vielerorts bleibt, eine Schwangerschaft legal und sicher beenden zu lassen. Zu den Hindernissen zählen laut Amnesty hohe Kosten, die nicht immer von der Sozialversicherung übernommen werden, ärztliche Weigerungen aus Gewissensgründen – etwa in Italien, Kroatien oder Rumänien – sowie medizinisch unbegründete Wartezeiten, die in zwölf europäischen Ländern vorgeschrieben sind, darunter auch Belgien. In Ungarn wiederum müssten Frauen vor einem Eingriff die Herzschläge des Fötus anhören, was Amnesty als psychischen Druck bewertet.
Auch Belgien bleibt von diesen Problemen nicht verschont. Die Organisation verweist auf administrative Hürden, die insbesondere Migrantinnen ohne geregelten Aufenthaltsstatus treffen. Verzögerungen bei der Bewilligung dringender medizinischer Hilfe könnten dazu führen, dass die gesetzliche Frist von zwölf Schwangerschaftswochen überschritten werde. Zudem reisten jedes Jahr hunderte Frauen aus Belgien in die Niederlande, wo der Eingriff bis zur 24. Schwangerschaftswoche möglich ist.
„Seit 35 Jahren, seit der Verabschiedung des Gesetzes über den Schwangerschaftsabbruch, wurden in Belgien keine Fortschritte erzielt“, kritisiert Julie Capoulade, Kampagnenleiterin für Geschlechtergerechtigkeit bei Amnesty. Der Zugang zur Abtreibung sei ein grundlegendes Recht, so Capoulade weiter. Amnesty fordert die europäischen Staaten auf, bestehende rechtliche und praktische Hindernisse abzubauen und sicherzustellen, dass reproduktive Rechte nicht weiter eingeschränkt werden. (belga/svm)

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