Der Ursprung des Projekts „Speak Up!“ (dt. etwa: „Erhebe deine Stimme“ oder „Sag deine Meinung“) liegt in einer Zeit, in der gesellschaftliche Polarisierung und digitale Desinformation weltweit zunahmen. In Ostbelgien gründete sich im Spätsommer 2020 ein Bündnis, das diesen Tendenzen etwas entgegensetzen wollte. Die Initiative fand im IDP ihre organisatorische Heimat. Projektleiterin Sabrina Kirschner entwickelte daraus Schritt für Schritt ein lebendiges Netzwerk, das Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zusammenbringt, wie das IDP in einem Kommuniqué zusammenfasst.
Nach der ersten großen Tagung im Eupener Heidberg entstand 2022 die Vernetzungsstelle „Speak Up!“. Sie führte die Arbeit fort, öffnete sich aber zugleich für Partner aus dem Ausland. Online-Diskussionen über den Ukraine-Krieg, gemeinsame Erklärungen gegen rechte Stickeraktionen oder offene Briefe zu gesellschaftlichen Themen zeigten früh, dass das Projekt aktuelle Debatten aufgreift und Menschen aus verschiedenen Bereichen miteinander ins Gespräch bringt.
Inzwischen hat sich Speak Up! zu einem echten Labor für politische und medienpädagogische Bildung entwickelt. In Workshops, Stadtrallyes, Performances oder World Cafés werden Formate erprobt, die zum Nachdenken anregen und Beteiligung fördern. „Wir hantieren mit Themen, die eine große gesellschaftliche Sprengkraft haben“, sagt Sabrina Kirschner. Fake News, Hate Speech oder Diskriminierung würden oft im Verborgenen wirken. Deshalb werde versucht, diese Prozesse unter dem Mikroskop zu betrachten. „Denn nur wenn wir wissen, wo gerade der Schuh drückt, können wir selbst auch passende Formate entwickeln“, so die Projektleiterin.
Das Speak Up! Lab versteht sich als Ort des Austauschs. Hier arbeiten Menschen aus der Zivilgesellschaft, Forschende und Fachleute aus verschiedenen Ländern gemeinsam an neuen Ansätzen politischer Bildung. Sie analysieren, wie Vorurteile entstehen, wie Sprache gesellschaftliche Gräben vertieft oder wie Medienkompetenz gestärkt werden kann. Der interdisziplinäre und internationale Charakter des Labs bringt dabei laut IDP immer neue Perspektiven hervor.
Ein Beispiel sei das zweite Speak Up!-Buch, das derzeit entsteht. Es vereint demnach wissenschaftliche Beiträge mit praxisnahen Formaten wie den sogenannten „Fritten-Interviews“. In Anlehnung an Gespräche in ostbelgischen Fritüren werden hier politische Fragen auf einfache, alltagsnahe Weise diskutiert. Weil politische Bildung oft mit Politik verwechselt werde, sei ein solcher niedrigschwelliger Ansatz wichtig, heißt es weiter.
Auch außerhalb Ostbelgiens stoße das Speak Up! Lab auf Interesse, berichten die Initiatoren. So erhalte das IDP immer häufiger Einladungen, das Projekt als Beispiel guter Praxis vorzustellen. „Das ist eine sehr schöne Anerkennung für die Arbeit, die wir leisten“, freuen sich IDP-Leiterin Tomke Lask und Sabrina Kirschner. Zugleich betonen sie, dass Kooperationen nur dann eingegangen werden, wenn sie auch der Region zugutekommen.
Heute umfasst das Speak Up! Lab 47 Einzelpersonen und 13 Institutionen aus zwölf Ländern auf vier Kontinenten – von Belgien über Indien bis Kanada. Damit ist aus einer ostbelgischen Initiative ein internationales Netzwerk geworden, das zeigt, wie kreative Formate und interkultureller Austausch politische Bildung neu denken können.
(red/svm)
und bei Instagram unter speak_up_lab.

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