Real Madrid und sein Problemfall: Wie lange noch, Vinícius?

<p>Eigentlich spielte Vinícius Jr. im Clásico gegen den FC Barcelona (2:1)stark. In Erinnerung bleibt jedoch sein Eklat bei der Auswechslung.</p>
Eigentlich spielte Vinícius Jr. im Clásico gegen den FC Barcelona (2:1)stark. In Erinnerung bleibt jedoch sein Eklat bei der Auswechslung. | Foto: Photo News

Es ist ein Muster, das sich seit Jahren wiederholt: Schwalben, Lamentieren, Provokationen – und wenn es eng wird, die Rolle des Opfers. Ja, rassistische Beleidigungen sind inakzeptabel. Aber sie dürfen auch nicht als Deckmantel für Fehlverhalten dienen.

Neu ist, dass Vinícius bei Real nicht mehr den Schutz von Carlo Ancelotti genießt. Der frühere Trainer stellte sich stets vor seinen Spieler, umarmte ihn auch schon mal bei Auswechslungen und verteidigte ihn vor Kritik. Unter dem neuen Coach Xabi Alonso fehlt diese väterliche Rückendeckung. Damit tritt klarer zutage, was längst sichtbar war: ein Spieler, der glaubt, sich alles erlauben zu können.

Real Madrid selbst trägt Mitschuld. Der Klub hat Vinícius jahrelang hofiert, ihn zum Symbol gegen Rassismus gemacht und gleichzeitig jedes Fehlverhalten kleingeredet. Dass der Klub im Jahr 2024 die Ballon-d’Or-Gala boykottierte, weil Vinícius den Preis nicht bekam, war an Absurdität kaum zu überbieten. Die Vereinsführung erklärte damals sinngemäß: Wenn schon nicht Vinícius, dann wenigstens Dani Carvajal. Schließlich hatte der spanische Rechtsverteidiger die meisten Titel in diesem Jahr gewonnen. Doch so funktioniert der Ballon d’Or nicht. Es zählen nicht nur Tore und Dribblings, sondern ebenso Ausstrahlung und Vorbildcharakter. So sollte es zumindest sein. Und genau da fällt Vinícius seit vielen Jahren durch.

Die Frage lautet: Wie lange kann sich ein Spieler wie Vinícius solche Entgleisungen noch erlauben? Im heutigen Fußball geht es um Millionen. Geld, Vermarktung und Image sind wichtiger als Werte. Deshalb werden Fehltritte von Stars gerne übersehen oder kleingeredet. Laut Medienberichten soll auch der jüngste Wutausbruch im „Clásico“ gegen Barcelona nicht bestraft werden. Genau das macht den Fall Vinícius so typisch: Auf der einen Seite ein begnadeter Fußballer mit außergewöhnlicher Klasse, auf der anderen Seite ein Spieler, der sich auf dem Platz danebenbenimmt. An diesem Verhalten darf man nicht einfach vorbeisehen. Die Kluft zwischen seinem riesigen Talent und seiner mangelnden Reife ist unübersehbar. Doch solange sein Arbeitgeber keine Konsequenzen zieht, wird sich daran nichts ändern. Wie lange noch?

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