Der weltgrößte Onlinehändler Amazon will weltweit bis zu 30.000 Arbeitsplätze abbauen. Wie mehrere US-Medien berichten, betrifft der Stellenabbau vor allem die Verwaltung. Damit revidiert der Konzern einen Teil der massiven Personalaufstockung während der Corona-Pandemie. Betroffen sind demnach insbesondere die Bereiche Logistikverwaltung, Personalwesen, Cloud-Dienste und Videospiele. Arbeiter in den Lagerhäusern und die Zusteller, die ohnehin meist über Subunternehmen beschäftigt sind, sollen von den Kürzungen verschont bleiben.
Das Unternehmen selbst sprach in einer Mitteilung von „organisatorischen Anpassungen“ in Zeiten Künstlicher Intelligenz. Rund 14.000 Stellen seien bereits konkret zum Abbau vorgesehen, weitere könnten in mehreren Wellen folgen. Insgesamt beschäftigt Amazon derzeit etwa 1,5 Millionen Menschen weltweit. Rund 350.000 davon arbeiten in Büro- oder Verwaltungsfunktionen – knapp ein Zehntel dieser Stellen könnte somit wegfallen. Ob auch Arbeitsplätze in Belgien betroffen sind, ist bislang unklar.
Amazon erklärte, der Konzern müsse sich „schlank aufstellen“, um den technologischen Wandel zu bewältigen. Man dürfe nicht vergessen, dass sich die Welt rasch verändere, hieß es. Die Fortschritte bei Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz ermöglichten eine schnellere Innovation, machten aber auch viele Prozesse effizienter – und in Teilen überflüssig. CEO Andy Jassy hatte bereits im Juni angedeutet, dass Amazon stärker auf Automatisierung setzen und dabei auch Arbeitsplätze einsparen wolle.
Der Konzern betonte zugleich, dass neue Jobs in anderen Bereichen geschaffen würden. Beschäftigte, deren Stellen wegfallen, sollen 90 Tage Zeit erhalten, sich intern auf andere Positionen zu bewerben.
Verbraucher dürften von den Kürzungen kaum etwas bemerken. Die Versand- und Lieferaktivitäten sollen nach Angaben des Unternehmens unverändert weiterlaufen. Auswirkungen auf die Lieferzeiten oder den Kundenservice erwartet Amazon nicht.
Seit Monaten wird in der Tech-Branche darüber diskutiert, ob leistungsfähige KI-Systeme wie ChatGPT oder Claude – letzteres vom von Amazon unterstützten Entwickler Anthropic – viele klassische Bürojobs überflüssig machen könnten. Diese Programme sind in der Lage, Wissensaufgaben eigenständig zu erledigen und Verwaltungsprozesse weitgehend zu automatisieren. Besonders in technischen und administrativen Bereichen ist bereits zu spüren, dass Künstliche Intelligenz Arbeitsabläufe grundlegend verändert – und zunehmend menschliche Arbeitskraft ersetzt. (svm/belga/dpa)

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