Doch so angenehm das klingt, die Umstellung hat spürbare Folgen für den Alltag: Abends wird es eine Stunde früher dunkel. Das mag praktisch sein für Frühaufsteher, die morgens schneller Tageslicht sehen. Für Pendler, Radfahrer oder Spaziergänger bedeutet es jedoch, dass die Dämmerung stärker in die Hauptverkehrszeit fällt. Belgien praktiziert die Zeitumstellung seit 1977. Hintergrund war die „Ölkrise“. Ziel war es, Energie zu sparen, indem das Tageslicht besser genutzt wird. Heute, fast 50 Jahre später, wird der Sinn zunehmend hinterfragt. Der tatsächliche Spareffekt gilt als minimal, dafür beklagen Ärzte und Schlafforscher, dass der Rhythmus des menschlichen Körpers jedes Mal durcheinandergerät. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und sogar mehr Verkehrsunfälle in den Tagen nach der Umstellung sind dokumentiert. Die Debatte ist nicht neu: 2018 schlug die EU-Kommission vor, die Zeitumstellung ganz abzuschaffen. In Belgien sprachen sich damals 83 Prozent der Befragten für ein Ende des Hin und Her aus. Doch weil sich die Mitgliedstaaten nicht einigen konnten, ob dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten soll, liegt die Reform seither auf Eis. So drehen die Europäer weiter zweimal im Jahr an der Uhr. In Spanien hat die Diskussion inzwischen eine neue Dynamik bekommen. Regierungschef Pedro Sánchez kündigte in dieser Woche an, sich in der EU für ein Ende der Zeitumstellung starkzumachen. „Offen gesagt sehe ich darin keinen Sinn mehr“, erklärte er in einer Videobotschaft. Energieeinsparungen gebe es nicht, gesundheitliche Nachteile dagegen sehr wohl. Sánchez will, dass die Uhren spätestens ab 2026 dauerhaft stehen bleiben.
Im Straßenverkehr häufen sich nach der Umstellung kritische Situationen.
Die Folgen sind jedes Jahr spürbar. Vor allem im Straßenverkehr häufen sich nach der Umstellung kritische Situationen. Die Wallonische Agentur für Straßenverkehrssicherheit (AWSR) warnt: Ein Fußgänger in dunkler Kleidung ist in der Dämmerung im Scheinwerferlicht oft erst in 20 Metern Entfernung erkennbar. Schon jetzt ereignet sich die Hälfte aller Fußgängerunfälle zwischen Oktober und Februar, mit einem deutlichen Anstieg direkt nach dem Wechsel auf Winterzeit. Deshalb verteilt die AWSR an diesem Wochenende in Bahnhöfen wie Lüttich-Guillemins, Verviers-Central, Namur oder Arlon kostenlose Sichtbarkeits-Kits und startet eine Kampagne, die Autofahrer wie Fußgänger gleichermaßen sensibilisieren soll: Reflektoren, richtig eingestellte Scheinwerfer und mehr Vorsicht an Kreuzungen können Leben retten. Auch Wildunfälle nehmen in dieser Zeit zu. Weil die Dämmerung in die Hauptverkehrszeiten rutscht, steigt die Gefahr von plötzlichen Wildwechseln – etwa durch Rehe oder Wildschweine, die im Herbst besonders aktiv sind. Die Forstverwaltung rät Autofahrern, besonders in Waldgebieten Geschwindigkeit zu reduzieren und aufmerksam auf Bewegungen am Straßenrand zu achten. (belga/dpa/sc)

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