Christine Mauel erinnerte daran, dass „am 1. Januar 2025 79 537 Bürgerinnen und Bürger im deutschsprachigen Gebiet unseres Landes“ lebten. „Eine kleine, aber eigenständige politische Einheit mit eigener Regierung, eigenem Parlament und klaren Zuständigkeiten“, wie Mauel beschreibt. Die Abgeordnete betonte, dass der Tag der deutschen Sprache „die Mehrsprachigkeit unseres Landes würdigen und die deutsche Sprache als lebendigen Bestandteil der wallonischen Identität sichtbar machen“ solle.
„Deutsch ist im Osten unseres Landes Amtssprache und Alltagssprache, ein lebendiges Element unseres Föderalismus – in der Wallonie ebenso wie in ganz Belgien“, sagte Mauel. Sie erinnerte daran, dass Deutsch neben Französisch und Niederländisch eine der drei Landessprache ist und „ein schönes Beispiel für föderalen Respekt vor regionaler Identität und für die Art, wie Belgien Vielfalt in Einheit organisiert“. „Sprache schafft Verbindung. Sie ist Ausdruck von Identität, aber auch von Offenheit.“ Wer heute die deutsche Sprache feiere, so Mauel, feiere „auch diesen europäischen Geist, den Willen, zu verstehen, statt zu trennen, den Mut, gemeinsam Lösungen zu finden und die Überzeugung, dass Vielfalt uns stärker macht“.
Patrick Spies knüpfte in seiner Rede an diese Botschaft an. „Es freut mich, heute hier im wallonischen Parlament ganz bewusst in meiner Muttersprache, nämlich auf Deutsch zu sprechen. Das ist selten. Und gerade deshalb so bedeutsam.“ Deutsch sei „eine Sprache, die nicht irgendwo weit entfernt gesprochen wird, sondern mitten in unserem Land, in unserer Gemeinschaft, in unserer Verfassung“. Spies sprach von der doppelten Identität der Ostbelgier: „Wir, die Ostbelgier, sind mit etwas aufgewachsen, das für andere oft abstrakt bleibt: dem Gefühl, gleichzeitig Teil einer Minderheit und Teil eines größeren Ganzen zu sein. Belgier zu sein – und Deutschsprachige. Europäer – und Menschen mit tiefer, regionaler Verwurzelung.“
„Sprache schafft Verbindung.“
„Wir sind keine Gäste in diesem Staat. Wir sind Belgier. Aber eben deutschsprachige Belgier – mit einer eigenen Sprache, einer eigenen Kultur, eigenen Institutionen“, erinnerte Spies. Die Sprache sei dabei mehr als ein Kommunikationsmittel: „Sprache ist nie nur Mittel zum Zweck. Sie ist ein Ort der Erinnerung, ein Speicher von Erfahrungen. Sie erzählt, woher wir kommen – und wie wir denken.“ Der SP-Abgeordnete sprach auch über die Verantwortung sprachlicher Minderheiten: „Eine sprachliche Minderheit zu sein, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung dafür, dass Vielfalt nicht nur geduldet, sondern gestaltet wird. Dass Mehrsprachigkeit keine Bürde ist, sondern ein Schatz. (...) Und genau deshalb sollten wir nicht nur an symbolischen Tagen wie heute Deutsch im wallonischen Parlament hören. Sprache ist gelebte Realität – und sie verdient es, hier regelmäßig Platz zu finden.“
Freddy Mockel betonte in seiner Rede ebenfalls die verbindende Rolle der Sprache – und verband sie mit einem Appell zu mehr Offenheit in der politischen Arbeit. „Sprache ist Kultur, Ausdrucksform und Teil eines Lebensgefühls. Kultur und Lebensgefühl sind aber umso schöner und wertvoller, wenn man sie teilen kann“, sagte Mockel. Er nutzte den Anlass, um über die parlamentarische Zusammenarbeit zwischen Eupen und Namur zu reflektieren. „Eines wäre jedoch auch hier möglich, und das vermisse ich wirklich: Offenheit, um bei Dekretvorschlägen oder Resolutionen zu einem gemeinsamen Text zu kommen oder zumindest Abänderungsvorschläge zuzulassen.“
Außerdem warb er für mehr Kooperation über Grenzen hinweg: „Ich glaube, die wallonische Region hat Interesse daran, nicht nur mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft, sondern auch mit den benachbarten deutschen Bundesstaaten, noch viel öfters gemeinsam grenzüberschreitende Projekte zu gestalten.“ Ein Beispiel sei die gemeinsame Kandidatur der Wallonie und Nordrhein-Westfalens für das Einstein-Teleskop. „Es muss aber nicht immer ein internationales Leuchtturmprojekt sein. Ein Einheitsticket für eine grenzüberschreitende Buslinie ist auch schön“, so der Ecolo-Abgeordnete. Er schloss seine Rede mit den Worten: „Gemeinsam zusammen arbeiten und jeweils die Sprache des Anderen kennen, schafft die Erkenntnis gemeinsamer Interessen, alle Beteiligten erweitern damit ihren sozialen Raum – oder um mit einem französischen Wort zu enden: ihr ‚bassin de vie‘.“
Mit ihren Reden machten Mauel, Spies und Mockel deutlich, dass die deutsche Sprache in Belgien weit mehr ist als ein Minderheitenmerkmal – sie ist ein Ausdruck gelebter Vielfalt und Brücke zwischen Regionen, Sprachen und Menschen. Oder, wie Christine Mauel es zusammenfasste: „Sprache schafft Verbindung.“
Die drei ostbelgischen Abgeordneten machten mit ihren Reden deutlich, dass die deutsche Sprache weit mehr ist als ein Minderheitenmerkmal – sie ist ein lebendiger Teil der belgischen Demokratie. Oder, wie Patrick Spies es formulierte: „Die deutsche Sprache ist nicht nur Teil der belgischen Verfassung, sie ist Teil des belgischen Herzens.“

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