59 Missbrauchsmeldungen und weniger Sakramente in Belgien: Kirche läuft die Basis davon

<p>Am Gottesdienst dürfen Personen teilnehmen, die aus der katholischen Kirchen ausgetreten sind - aber sie können keine Sakramente empfangen.</p>
Am Gottesdienst dürfen Personen teilnehmen, die aus der katholischen Kirchen ausgetreten sind - aber sie können keine Sakramente empfangen. | Foto: Fabian Strauch/dpa

Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 112 Missbrauchsfälle behandelt – darunter auch noch offene Verfahren aus den Vorjahren. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor hatte die Kirche 218 neue Meldungen verzeichnen müssen – mutmaßlich ausgelöst durch die viel beachtete VRT-Dokumentarreihe „Godvergeten“ über Missbrauch in der Kirche.

Die Mehrheit der Opfer war zum Zeitpunkt der Taten jünger als 21 Jahre, 16 Kinder sogar unter zehn Jahren. Sowohl bei Tätern als auch Opfern handelte es sich überwiegend um Männer. Zwar liegen fast alle Taten Jahrzehnte zurück, doch elf Fälle mit noch lebenden Tätern wurden an die Justiz weitergeleitet. Außerdem erhielten 59 Betroffene bereits finanzielle Entschädigungen von der Kirche.

Das Jahrbuch zeigt zudem eine klare Erosion kirchlicher Praxis: 2024 wurden landesweit nur noch 29.769 Kinder getauft – über 5.000 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Firmungen sank um rund 3.300 auf 27.458. Rückgänge gibt es ebenso bei kirchlichen Eheschließungen, Erstkommunionen und Beerdigungen. Hinzu kommt, dass allein im vergangenen Jahr 4.780 Menschen offiziell aus dem Taufregister ausgetreten sind.

Ein weiteres Zeichen für den tiefgreifenden Wandel: Immer mehr Kirchen werden offiziell „entweiht“ und verlieren damit ihren religiösen Status. 2024 waren es 33 Gotteshäuser, fast doppelt so viele wie noch 2022. „Das bedeutet, dass diese Gebäude keinerlei liturgische Funktion mehr haben“, erklärt Peter Haegeman vom Interdiözesanen Zentrum. Oft würden sie umgebaut – etwa zu Bibliotheken, Restaurants, Freizeiträumen oder Wohnungen. (belga/calü)

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