Neues Buch von Erika Vlieghe: Belgierin fordert Pandemie-Plan für Europa

<p>Corona war nicht das Ende: Vlieghe sieht Gefahr neuer Pandemien.</p>
Corona war nicht das Ende: Vlieghe sieht Gefahr neuer Pandemien. | Foto: Photo News

Vlieghe schildert darin, wie Europa über Jahrzehnte kaum eine „pandemische Bereitschaft“ aufgebaut habe. „Wir dachten, Pandemien seien Vergangenheit, bis Covid-19 uns brutal eines Besseren belehrte. An strategische Vorräte haben wir nicht gedacht, das Mundschutzmasken kam als mögliches Präventionsmittel viel zu spät“, schreibt die Medizinerin.

Während der Corona-Krise sei zwar intensiv über Prävention gesprochen worden, doch nach Abflauen der Pandemie habe das Interesse wieder nachgelassen. „So geraten wir in einen Kreislauf von Verdrängung und Panik“, warnt Vlieghe.

Langfristige Strukturen statt Ad-hoc-Maßnahmen

Ein bestehender „Grippe-Pandemieplan“ sei zuletzt 2009 aktualisiert worden, habe sich aber bei Covid-19 als unzureichend erwiesen – auch wegen neuer Spitalsnetzwerke und der sechsten Staatsreform. Deshalb fordert Vlieghe einen klaren, langfristigen Plan, der genau regelt, wer wann was zu tun hat. Dieser müsse regelmäßig überarbeitet und eingeübt werden. Auch die Kommunikation müsse einfacher und verständlicher sein: „Eine Krise darf nicht der einzige Moment sein, in dem wir unsere Strukturen in Ordnung bringen.“

Es gebe aber auch Fortschritte: Fünf Jahre nach Beginn der Pandemie seien Kontrollorgane wie die Risk Management Group gestärkt, wöchentliche Berichte zu Atemwegsinfektionen Standard und die Bedeutung von Raumlüftung allgemein anerkannt.

Weitere Gefahren: Resistenzen, Impfquote, Tigermücken

Neben künftigen Pandemien warnt Vlieghe vor Antibiotikaresistenzen und spricht sich für eine höhere Impfquote aus. „Impfungen sorgen dafür, dass weniger Antibiotika verschrieben werden müssen“, erklärt sie. Doch gerade seit Corona sei das Misstrauen gegenüber Wissenschaft und Vakzinen gewachsen. Vlieghe plädiert daher für niedrigschwellige Formate, um Bürgerinnen und Bürger stärker einzubinden – etwa über Podcasts, Festivals oder Wettbewerbe.

Das Buch blickt über Corona hinaus und beschreibt wissenschaftliche Fortschritte bei Krankheiten wie HIV, Ebola, Masern, E.coli oder Salmonellen. Besondere Sorgen bereitet Vlieghe die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), begünstigt durch Globalisierung und Klimawandel. Sie könne Krankheiten wie Dengue, Zika oder Chikungunya übertragen. „Diese Erreger könnten auch in Europa große Ausbrüche verursachen“, so die Infektiologin.

Erika Vlieghe, die an der Universität Antwerpen lehrt, war während der Corona-Pandemie eine der prägenden Stimmen im Kampf gegen das Virus. Mit „Gepokt en gemazeld“ (Lannoo Campus, erschienen am 14. Oktober) zieht sie Bilanz – und warnt eindringlich vor den Herausforderungen der Zukunft. (belga/calü)

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