Belgisches Rentensystem rutscht im Mercer-Ranking ab – Niederlande an der Spitze

<p>Belgien verliert fünf Plätze im weltweiten Pensionsvergleich.</p>
Belgien verliert fünf Plätze im weltweiten Pensionsvergleich. | Foto: Jens Büttner/dpa

Das Beratungsunternehmen Mercer hat bereits zum 17. Mal seinen „Global Pension Index“ veröffentlicht. Bewertet werden die Systeme nach drei Kriterien: Effizienz (erfüllt das System seinen Zweck?), Integrität (rechtliche Sicherheit und Verlässlichkeit) sowie Nachhaltigkeit (wie tragfähig und finanzierbar ist das System langfristig?).

„Belgien schneidet bei Effizienz und Integrität (sehr) gut ab, aber miserabel bei der Nachhaltigkeit“, erklärt Corinne Dedeurwaerder, Expertin bei Mercer, gegenüber der Zeitung „La Meuse“. „Das Hauptproblem des belgischen Rentensystems ist seine langfristige Tragfähigkeit.“

Gut, aber nicht nachhaltig

Doch was bedeutet das konkret? Die Bevölkerung altert, die Zahl der Erwerbstätigen pro Rentner sinkt. „Anders gesagt: Die Beiträge, die die arbeitende Bevölkerung für die Finanzierung der Renten aufbringt, nehmen ab“, so Dedeurwaerder. „Hinzu kommt, dass das gesetzliche Rentenalter fast noch auf dem Niveau von 1953 liegt – obwohl die Lebenserwartung seitdem massiv gestiegen ist. Die Belgier verbringen mehr Zeit im Ruhestand und müssen somit länger mit ihren Ersparnissen neben der gesetzlichen Pension auskommen.“

Ein weiterer Knackpunkt: Belgien finanziert seine Pensionen im Umlageverfahren über Steuern und Sozialabgaben der aktuellen Arbeitnehmer. „In den Niederlanden hingegen gibt es gigantische Pensionsfonds im Wert von Hunderten Milliarden Euro. Der größte – jener für Beamte – umfasst allein über 522 Milliarden. Das sorgt für langfristige Sicherheit.“

Belgien hatte zwar versucht, mit einem Fonds einen ähnlichen Mechanismus aufzubauen. Doch keine 20 Jahre nach seiner Einführung wurde er geplündert, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Zweiter und dritter Pfeiler sind nicht stark genug

Auch die zusätzlichen Pensionssäulen sind schwach ausgeprägt. „Der zweite, also eine ergänzende Altersversorgung oder Gruppenversicherung, und dritte Pfeiler, ein individueller Pensionssparplan, reichen nicht aus, damit die meisten Menschen ihren Lebensstandard im Alter halten können“, so die Mercer-Expertin gegenüber „La Meuse“. „Es gibt zwar Pläne, den zweiten Pfeiler auf drei Prozent auszubauen. Doch da er in die Lohnnorm eingerechnet wird, fehlt der Spielraum – auch wenn es im Regierungsabkommen steht. Selbst wenn das Ziel erreicht würde, bliebe es für viele zu wenig.“

Unbeliebtes höheres Rentenalter

Mercer berücksichtigt auch die bevorstehende Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters: von 65 auf 66 Jahre ab 2025 und 67 Jahre ab 2030. Politisch ist das höchst umstritten – vorwiegend Gewerkschaften und linke Parteien laufen Sturm. Doch Dedeurwaerder hält die Maßnahme für unausweichlich: „Vielleicht sollten wir uns die Niederlande zum Vorbild nehmen. Dort wird ab 2031 das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt. Das könnte dem belgischen System deutlich mehr Stabilität geben.“ (calü)

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