Niel, der seit November 2023 etwas mehr als 6 Prozent der Proximus-Aktien hält, legte im Frühjahr dem neu gebildeten Kabinett von Premierminister Bart De Wever einen Vorschlag vor. Sein Plan: Der belgische Staat – genauer die staatliche Beteiligungsgesellschaft SFPIM, die derzeit 53,5 Prozent der Anteile hält – sollte vorerst Mehrheitsaktionär bleiben, aber mittelfristig Anteile abgeben. Niel hätte ein Vorkaufsrecht auf diese Aktien erhalten.
Kernstück des Vorschlags war ein Aktionärspakt zwischen Belgien und Niels Holding. Die SFPIM sollte den Vorsitzenden von Proximus bestimmen, während Niel den CEO ernennen und das Unternehmen „neu ausrichten“ – sprich restrukturieren – wollte, um die Profitabilität zu steigern.
Doch die Regierung reagierte zurückhaltend. „Das war ein eleganter Versuch, einen Hold-up auf das Unternehmen zu machen“, zitierte „L’Echo“ eine regierungsnahe Quelle. Mit „Hold-up“ ist dabei kein Überfall im wörtlichen Sinn gemeint, sondern der Versuch Niels, sich durch ein geschickt konstruiertes Angebot schrittweise eine strategische Kontrolle über Proximus zu sichern – und das, ohne sofort eine klassische Übernahme starten oder die dafür üblichen hohen Kosten tragen zu müssen.
Ob Niel seine Ambitionen damit aufgibt, bleibt offen. Insider vermuten laut „L’Echo“, dass er seine Beteiligung still und leise weiter ausbauen könnte. Klar ist: Innerhalb der flämischen Regierungsparteien – und besonders bei der N-VA – gibt es derzeit wenig Bereitschaft, ein weiteres großes belgisches Unternehmen in französische Hände wandern zu lassen. (belga/calü)

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