In dem leerstehenden Gebäude hatten Migranten aus dem Maghreb und aus Subsahara-Afrika gewohnt. Das Kollektiv Zone Neutre hatte das Haus besetzt, um den Menschen eine Unterkunft zu verschaffen. Eigentümerin ist die Immobilienfirma Staring Real Estate. Sie plant, das Gebäude in ein Hotel umzuwandeln. Bereits im August hatte ein Gericht die Räumung angeordnet. Eine erste Vollstreckung scheiterte jedoch. Am Freitagmorgen ab 6 Uhr sollte die zweite Räumung erfolgen – betroffen waren auch 15 Kinder.
Dem Aufruf des Kollektivs, die Räumung durch eine Protestaktion zu verhindern, folgten rund 200 bis 300 Menschen. Die Polizei entschied, die spontane Demonstration aufzulösen, und setzte dabei nach Angaben der Aktivisten massive Gewalt ein. „Die Polizei ist besonders brutal vorgegangen und hat sogar Hunde eingesetzt, um die Demonstranten zu vertreiben“, erklärten Vertreter von Zone Neutre gegenüber Belga. Gegen 11 Uhr beruhigte sich die Lage wieder. Der Zugang zum Gebäude konnte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht erzwungen werden, die Räumung war daher nicht vollständig abgeschlossen. Nach Einschätzung von Zone Neutre dürfte es aber nicht mehr lange dauern, bis die Papierlosen erneut auf der Straße stehen. Wohin sie dann gehen werden, sei unklar. Zwar laufen Gespräche über einen Umzug in ein neues Gebäude, doch diese könnten sich noch mehrere Wochen hinziehen. „In der Zwischenzeit werden die Menschen wohl erneut auf besetzte Häuser angewiesen sein“, hieß es. Kritik übten die Aktivisten auch an Anderlechts Bürgermeister Fabrice Cumps (PS). Dieser habe bereits zuvor erklärt, er könne die Räumung nicht verhindern, da ein Gericht sie angeordnet habe. „Wir haben ihn den ganzen Morgen versucht zu erreichen, aber er ist bei seiner Position geblieben“, so die Organisatoren. (belga/sc)

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