Dabei gab es durchaus Bewegung: Erste Machbarkeitsstudien, eine Trassenfestlegung durch die zuständige Wallonische Region, technische Vorprojekte, selbst EU-Mittel wurden einmal in Aussicht gestellt – und eine Petition im Kommunalwahlkampf, die im Ergebnis verpuffte und der Sache mehr schadete als nutzte. Doch all das versandete. Mal scheiterte es am Widerstand vor Ort, mal am Geld, mal an der fehlenden politischen Priorität. Am Ende blieb von jedem Anlauf nur Papier zurück.
Wir haben die GrenzEcho-Berichterstattung der letzten 20 Jahre durchgesehen: oftmals ganze Zeitungsseiten, große Schlagzeilen, hitzige Debatten. Das Projekt hat Ordner und Spalten gefüllt. Gebaut wurde aber nie. All die Arbeit, all die Papiere, all die Stunden waren für die Katz. Das Vorhaben ist eine Totgeburt. Jeder weiß es, doch kaum jemand spricht es offen aus. Statt reinen Wein einzuschenken, setzt man erneut eine Arbeitsgruppe ein. Als ob nach all den Jahrzehnten noch eine Eingebung käme, die nicht längst in den Ordnern verstaubt oder im Mülleimer gelandet ist.
Ehrlich wäre: Die Umgehungsstraße kommt nicht. Sie ist politisch nicht gewollt, finanziell nicht abgesichert und war in den betroffenen Dörfern von Anfang an umstritten. Entlastung für die einen, Belastung durch Lärm, Enteignungen und Naturverlust für die anderen. Mehr war nie drin.
Ein Teil der Verantwortung liegt auch bei den ostbelgischen Entscheidungsträgern. Nie zog man an einem Strang. Die Regionalabgeordneten meldeten sich mal hier, mal dort zu Wort, eine gemeinsame Linie gab es nie. Der Arbeitgeberverband AVED ging bei einer Anhörung im Parlament der DG sogar so weit zu behaupten, eine neue Straße nach Luxemburg sei schädlich. Absurder geht es kaum. Nicht die Straßen treiben die Menschen über die Grenze, sondern höhere Löhne, steuerliche Vorteile und attraktivere Jobs. Asphalt ist nicht das Problem, sondern die Politik in Belgien, die keine vergleichbaren Rahmenbedingungen schafft.
Dazu kam die fehlende Zusammenarbeit mit Luxemburg. Jeder kochte sein eigenes Süppchen. Eine gemeinsame Mobilitätsstrategie? Fehlanzeige. Zurück bleibt die N62: eine Straße, die täglich von tausenden Pendlern und Schwerlastern befahren wird, nachweislich gefährlich ist und Anwohner seit Jahrzehnten belastet. Die Menschen vor Ort haben recht: So kann es nicht weitergehen. Und doch geht es genau so weiter – mit Durchhalteparolen, mit Arbeitsgruppen, mit Vertröstungen. Höchste Zeit, ehrlich zu sein: Die Umgehungsstraße ist Geschichte. Je eher die Politik das eingesteht, desto besser. Alles andere ist nichts als Sand in die Augen der Bürger.

Kommentare
Warum sollte eine Straße auf Kosten des Staats gebaut werden für Pendler die in Belgien keine Steuern zahlen. Da liegt meiner Meinung nach das Problem.
Ich bin täglich an der N62, hier kommen täglich tausende Autos mit nur einer Person drin, da könnte man schon eine Lösung finden in dem man Fahrgemeinschaften gründet.
Vielleicht sollten die Anwohner protestieren in dem sie zweimal die Woche diese Straße von 6:00 Uhr morgens bis mittags blockiert, vielleicht passiert dann was.
Weshalb?
1.) Weil es für den Süden der DG von Nutzen ist, denn ohne Luxemburg wäre die Arbeitslosigkeit in unserer Region sicherlich signifikant höher - und diese Zahlungen leistet der Staat, also auch Sie!
2.) Weil ein Staat sich um die Belange, die Sicherheit und die Gesundheit der Bevölkerung kümmern MUSS! In den Anrainerdörfern der N62 ist dies nicht mehr gewährleistet und aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit bis es zu einem GAU kommen wird. Dann will niemand etwas gewusst haben!
Aha, also sind aus Ihrer Sicht jetzt die Pendler schuld, dass es auf der N62 klemmt? Interessant – dann sollten wir vielleicht ein Gesetz machen: Niemand darf mehr als 20 Kilometer von zu Hause arbeiten. Super Idee, dann bleibt Ostbelgien wirtschaftlich gleich ganz stehen nach dem Prinzip „Make Ostbelgien great again“. Oder wir erheben Strafzölle wie andere selbst designierte Wirtschaftsweisen in Übersee.
Mal ehrlich: Die Leute, die jeden Tag nach Luxemburg oder Deutschland fahren, machen das nicht aus Spaß an der Rushhour. Die tun es, weil hier keine vernünftigen Jobs mehr da sind oder weil man im Ausland endlich fair bezahlt wird. Und jeder Euro, den die drüben verdienen, landet früher oder später wieder hier: im Supermarkt, beim Bäcker, beim Handwerker, in der Steuerkasse.
Und die, die jetzt von Neid über die Pendler jammern – wo kaufen die eigentlich ein? Wahrscheinlich online. Amazon, Zalando & Co schicken täglich ganze Flotten durch die Region. Aber klar, die Lieferwagen stören natürlich nicht, denn die funktionieren ja nach dem Prinzip „Me First“.
Das Problem ist nicht der Pendler, sondern das System. Unternehmen hauen ab, weil die Rahmenbedingungen in Belgien schlicht miserabel sind. Zu teuer, zu viel Papierkram, zu wenig Planungssicherheit. Da müsste mal der Unternehmerverband anpacken, statt mit dem Finger auf die zu zeigen, die morgens um fünf aufstehen, um ihre Familien durchzubringen.
Bravo Herr Hennen, sie sprechen tausenden Leuten aus der Seele. Dem ist nicht mehr viel zuzufügen.
Dagegen ist der Kommentar des Herrn Manz einfach nur armselisch, dabei belasse ich es dann um nicht gegen die Netikette zu verstossen.
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