In einem Bericht der Tageszeitung „Le Soir“ war von möglichen Fusionen die Rede – u.a. mit der Lütticher Gesellschaft Noshaq. Deren Geschäftsführer Gaëtan Servais erklärte jedoch, eine Fusion mit OBI ergebe „keinen Mehrwert“, da diese durch ihre deutschsprachige Ausrichtung und ihre grenzüberschreitenden Verbindungen eine besondere Rolle spiele.
Vor diesem Hintergrund wollte der Abgeordnete Freddy Cremer in der PDG-Sitzung von Ministerpräsident Oliver Paasch (beide ProDG) wissen, welche Folgen eine mögliche Fusion hätte, wie die Zusammenarbeit mit Noshaq konkret aussieht und welche Rolle die gemeinsamen Projekte im Rahmen von Move Invest spielen.
Die geplante Rationalisierung soll laut Regionalregierung dazu dienen, Doppelstrukturen abzubauen, die Effizienz zu steigern und den öffentlichen Haushalt zu entlasten, so Paasch: „Dies wäre aber bei einer Fusion zwischen Noshaq und Ostbelgieninvest absolut nicht der Fall.“ Eine Fusion der OBI mit anderen Gesellschaften ergebe keinen Sinn: keine Synergien, da Übersetzungen nötig wären und die Kunden auf Beratung in deutscher Sprache bestehen. Gute Unternehmensführung sei bei OBI bereits gewährleistet, und die Betriebe bräuchten ein kleines, regional verankertes Team mit Nähe, Fachwissen und Entscheidungsfreiheit vor Ort. „Zudem bedeuten weitere Anfahrtswege mehr Zeitaufwand und mehr Fahrtkosten. Demnach würden bei einer Fusion keine Kosten eingespart. Ganz im Gegenteil. Eine Fusion würde den Verlust regionaler Expertise, etwa in der Metall- und Baubranche, oder auch bei dem Thema Unternehmensnachfolge, bedeuten.“ Ostbelgieninvest und Noshaq arbeiteten eng zusammen: Beide sind im Verwaltungsrat des jeweils anderen vertreten, treffen sich regelmäßig und betreiben drei gemeinsame Filialen. Innerhalb von Move Invest arbeiten OBI und Noshaq gleichberechtigt zusammen: In den Verwaltungsräten der drei gemeinsamen Filialen sind beide Seiten jeweils zur Hälfte vertreten, Entscheidungen würden also gemeinsam gefällt. Auch Investmentkomitees würden von beiden zusammen durchgeführt.
In der PDG-Sitzung am Montag ging es auch um den Fachkräftemangel. Die PFF-Abgeordnete Evelyn Jadin erinnerte daran, dass laut dem aktuellen Barometer 90 % der Betriebe in Ostbelgien Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter zu finden. Einige erwägen sogar eine Verlagerung. Paasch sprach von einem europaweiten Problem mit klaren demografischen Ursachen: Von zehn Menschen, die den Arbeitsmarkt verlassen, könnten nur vier ersetzt werden. Besonders in Ostbelgien verschärfe die Grenzlage die Situation. Gegenmaßnahmen seien u.a. Steuerreformen, schnellere Arbeitsvermittlung, bessere Bildung, attraktive Lebensbedingungen, gezielte Zuwanderung und Standortmarketing. Mit der RWTH Aachen und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft gebe es bereits Studien, Exkursionen und Kooperationen zur Fachkräftesicherung. Auch eine neue Strategie sei in Arbeit. Einig war man sich, dass der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre bleibt.
Die Ecolo-Abgeordnete Fabienne Colling wollte in einer anderen Frage wissen, was die Regierung unter „alternativen Finanzierungen“ versteht und welche Folgen das für die Schuldenlast hat. Damit seien vor allem Public-Private-Partnerships (DBFM-Modell) gemeint: Private Partner übernehmen Planung, Bau, Finanzierung und Wartung, die DG zahlt über Jahre Verfügbarkeitsraten. Man orientiere sich am flämischen Programm „Scholen van Vlaanderen“, das bereits von Eurostat anerkannt sei, so Paasch. Ziel sei es nicht, Schulden zu verstecken, sondern große Investitionen mit EU-Regeln vereinbar zu finanzieren. Transparenz werde gewährleistet.

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