Ausländische Ärzte praktizieren trotz Berufsverbot in Belgien

<p>In Belgien praktizieren auch Ärzte, die in anderen Ländern wegen gravierender Verfehlungen gesperrt wurden</p>
In Belgien praktizieren auch Ärzte, die in anderen Ländern wegen gravierender Verfehlungen gesperrt wurden | Illustrationsbild: picture alliance/dpa

Demnach können Ärzte, die in anderen europäischen Staaten wegen schwerer Verfehlungen – etwa wegen Behandlungsfehlern, sexueller Gewalt oder massiver Sozialbetrugsfälle – ihre Zulassung verloren haben, in Belgien dennoch weiter Patienten behandeln.

Die beteiligten Medien sammelten und verglichen mehr als 2,5 Millionen Namen von Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern – sowohl von zugelassenen als auch von gesperrten. Dabei stießen sie auf Mediziner, die in den Niederlanden, im Vereinigten Königreich oder in Frankreich nicht mehr praktizieren dürfen, in Belgien aber nach wie vor beim Ärzteorden, beim Föderalen Gesundheitsdienst oder beim Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (Likiv) eingetragen sind.

Betroffen sind sowohl Allgemeinmediziner als auch Fachärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten. In einigen Fällen wurde sogar nachgewiesen, dass in anderen Ländern gesperrte Ärzte derzeit in Belgien praktizieren.

Ein Kernproblem ist laut der Recherche, dass das europäische Informationssystem für den Binnenmarkt (IMI) in Belgien nicht konsequent genutzt wird. Der Ärzteorden räumt ein, dass es keine Synchronisation zwischen der IMI-Infrastruktur und der eigenen Ärzteregister gibt. Hinweise aus dem IMI würden zudem nicht systematisch geprüft oder umgesetzt.

Als Reaktion auf die Enthüllungen forderte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) am Donnerstag die Einführung klarer Kontrollmechanismen. Es brauche „einen klaren Rahmen, in dem jeder Praktiker arbeiten kann und muss“. Vandenbroucke betonte: „Qualitätsvolle Gesundheitsversorgung für alle zu gewährleisten und die Interessen und Rechte jedes Patienten jederzeit zu schützen, muss selbstverständlich sein – unabhängig davon, ob der Arzt Belgier ist oder aus einem anderen Land kommt.“ (belga/rt)

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