Rüstungskonzern FN Herstal wächst mit Mega-Übernahme

<p>Eingang des belgischen Waffenherstellers FN Herstal in Herstal</p>
Eingang des belgischen Waffenherstellers FN Herstal in Herstal | Archivfoto: belga

2024 erzielte FN Browning, eine Tochtergesellschaft von FN Herstal, einen Umsatz von 934 Millionen Euro – ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Auftragsbuch ist prall gefüllt, und jetzt kommt noch die jüngste Expansion mit Sofisport hinzu. „Es hat in der Geschichte der Gruppe noch nie eine so bedeutende Übernahme gegeben“, erklärt Geschäftsführer Julien Compère in einem Interview mit der Brüsseler Tageszeitung Le Soir.

Dieses Video zeigt die Eröffnung einer neuen Leiterplatten-Produktionslinie in Herstal im Juni 2022.

Compère ist der frühere Kabinettschef des wallonischen Ministers Jean-Claude Marcourt (PS). Der CEO möchte den europäischen Aufrüstungstrend nutzen, um FN Herstal als zentralen Player in einem sich stark konsolidierenden Sektor zu positionieren. Dabei helfe ihm ein enges Verhältnis zu föderalen wie regionalen Entscheidungsträgern, analysiert das Brüsseler Blatt. Passend dazu bereitet die wallonische Regierung eine Überarbeitung des geltenden Dekrets zu Waffenexportlizenzen vor, das die Industrie als zu restriktiv kritisiert – zum Missfallen von NGOs und Friedensinitiativen.

„Das Einzige, was wir fordern, ist die Garantie einer fairen oder gleichen Behandlung zwischen den verschiedenen Unternehmen, die auf europäischem Gebiet tätig sind. Es ist auffällig, dass heute bestimmte französische, dänische, italienische oder andere Unternehmen in Länder gehen können, in die ein in Wallonien ansässiges Unternehmen nicht gehen darf. Wir verlangen eine Harmonisierung der europäischen Regeln, um sicherzustellen, dass dieses Europa der Verteidigung, das wir auf dem Kontinent aufbauen wollen, auch international exportieren kann“, sagt der Geschäftsführer.

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2021 setzt Julien Compère auf mehr Transparenz. Der aktuelle sicherheitspolitische Kontext habe dazu geführt, dass das Unternehmen offener über Ergebnisse und Projekte spricht. Doch manche Themen bleiben für den Konzern, der zu 100 Prozent der Wallonischen Region gehört, heikel und schwer öffentlich anzusprechen. „Transparenz hat ihre Grenzen. Wenn unsere staatlichen Partner aus ihren eigenen Gründen nicht kommunizieren wollen, respektieren wir das. Das gehört zu unserer Art, Geschäfte zu machen. Aber wenn sie einverstanden sind, haben wir keine Schwierigkeiten damit“, schränkt der Geschäftsführer in dem Gespräch mit Le Soir ein. „Heute sind die allermeisten unserer Kunden NATO-Mitgliedsstaaten oder mit der Allianz verbündete Länder (...).“ Compère betont außerdem, dass FN Herstal keine Waffen mehr in die Golfstaaten exportiert und keine Präsenz in Saudi-Arabien hat. Eine Strafanzeige wegen früherer Exporte kommentiert das Unternehmen nicht und verweist auf die Justiz. Auch zu Geschäften mit Israel macht der Geschäftsführer keine konkreten Angaben – außer der Klarstellung, dass seit über zehn Jahren keine Handfeuerwaffen mehr dorthin geliefert wurden. Mit Blick auf ein neues wallonisches Exportdekret fordert FN gleiche Regeln für alle europäischen Hersteller, um Wettbewerbsnachteile gegenüber Firmen aus anderen Ländern zu vermeiden. (sc)

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