Die Zahlen sind eindeutig: 1980 zählte die belgische Industrie noch rund 860.000 Beschäftigte. 1995 waren es 680.000, und 2023 liegt die Zahl nur noch bei etwa 510.000. Indirekte Arbeitsplätze – also Jobs, die von der Nachfrage der Industrie nach Vorleistungen abhängen – stagnieren seit 2010 bei etwas mehr als 300.000 Stellen.
Auch beim Bruttoinlandsprodukt zeigt sich die Abwärtstendenz: Lag der Anteil der Industrie 1995 noch bei 20 Prozent, sind es heute nur noch 12 Prozent.
Für die belgische Wirtschaft spielen Exporte nach wie vor eine Schlüsselrolle. Doch während früher vor allem Waren den internationalen Handel prägten, treiben heute Dienstleistungen die stärkere Integration Belgiens in den Weltmarkt voran.
Die klassische Industrie hat sich zugleich stark spezialisiert. Besonders die Pharma-Branche hat enorm an Bedeutung gewonnen, neben der Lebensmittel- und Chemieindustrie. Daneben entwickeln sich Industriezweige mit hoher Wertschöpfung, die für die grüne und digitale Transformation entscheidend sind – etwa Nanotechnologien, Robotik, Elektrolyseure, Batterien oder Komponenten für Windkraftanlagen.
Das Planbüro weist aber auch auf die begrenzten Möglichkeiten staatlicher Unterstützung hin. Angesichts knapper öffentlicher Finanzen und steigender Verteidigungsausgaben fehle es an Mitteln, um die Industrie stärker zu fördern. „Im aktuellen Budgetrahmen gibt es kaum Spielraum, die Lockerungen der EU-Regeln zu nutzen und die Industrie direkt zu stützen“, erklärt BFP-Ökonomin Chantal Kegels. Reformen im Dienstleistungssektor und effizientere Staatsausgaben könnten jedoch indirekt die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie verbessern – und das ohne große Zusatzkosten. (belga/calü)

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