Bürgermeister Willy Demeyer (PS) ordnete umgehend an, die Schmierereien zu entfernen. Städtische Dienste nahmen sofort die Arbeiten auf, zudem will die Stadt Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten. Besonders bitter: Am Donnerstagnachmittag sollte auf demselben Friedhof eine Gedenkfeier anlässlich des 30. Todestages des einstigen Präsidenten der frankophonen Liberalen (PRL), ehemaligen Vizepremiers und Justizministers stattfinden.
Auf der Plattform X reagierte der Vorsitzende des Mouvement Réformateur (MR), Georges-Louis Bouchez, mit scharfen Worten: Eine solche Tat lasse sich kaum in Worte fassen, schrieb er. „Wir dürfen uns von dieser Niedertracht niemals einschüchtern lassen. Ich hoffe auf eine klare Reaktion unserer politischen Gegner.“ Seine Gedanken seien vor allem bei den Angehörigen. Auch der sozialistische Parteichef Paul Magnette äußerte sich rasch: „Ein Grab zu schänden bedeutet, das Andenken an einen Menschen anzugreifen. Es zu tun, weil der Verstorbene Jude war, überschreitet eine unerträgliche Grenze: die des antisemitischen Hasses.“ Gegen Antisemitismus dürfe es weder Schweigen noch Relativierungen geben, so Magnette. „Gefordert sind allein Gerechtigkeit, Erinnerung und Wachsamkeit.“
Am Donnerstagabend wollte der MR das 20-jährige Bestehen des „Centre Jean Gol“ feiern, das im Andenken an den liberalen Politiker gegründet wurde. Die Veranstaltung findet auf dem Campus XX Août der Universität Lüttich statt. Doch mehrere Kollektive kündigten Proteste an. Sie werfen dem MR vor, immer stärker nach rechts zu rücken und „die Kriegsverbrechen in Gaza“ zu unterstützen. Sie erklärten, die Universität dürfe nicht als „Schaufenster“ für eine Partei dienen, deren Kurs sie ablehnen. (belga/mcfly)

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