Steueramt St.Vith wird geschlossen

<p>Das Steueramt St.Vith wird spätestens Ende 2027 geschlossen.</p>
Das Steueramt St.Vith wird spätestens Ende 2027 geschlossen. | Foto: Jan Johanns

Das Personal in der Klosterstraße wurde bereits vom Finanzministerium informiert, dass „spätestens Ende 2027 in St.Vith Schluss sein soll“.

Zu den Steuerämtern, die geschlossen werden, zählt auch Verviers. Das Finanzzentrum in Eupen bleibt dagegen bestehen. Hintergrund sind die von der Regierung De Wever beschlossenen Sparmaßnahmen.

Wie der Sprecherin des FÖD Finanzen, Florence Angelici, auf Nachfrage erklärte, werden die 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Steueramtes St.Vith im Laufe des Jahres 2027 nach Eupen umziehen. „In Eupen gibt es 82 Beamte, jedoch ist der Platz im Dynamic Office mehr als ausreichend, wenn man von zwei Präsenztagen pro Woche ausgeht.“ Die Telearbeit ist im FÖD Finanzen in der Tat schon seit Jahren weitverbreitet, mit bis zu drei Fünfteln der Arbeitszeit. So waren auch die Büros in der Klosterstraße immer mehr verwaist.

Dennoch sprach St.Viths Bürgermeister Werner Henkes in einer ersten Stellungnahme von einem herben Verlust für das Dienstleistungsangebot im Süden der DG. „Wir haben bislang nur durch Hörensagen von der Schließungsabsicht erfahren und schon mündlich bei den Entscheidungsträgern interveniert. Unser Wunsch ist, dass das FÖD Finanzen eine Zweigstelle in St.Vith belässt, um Sprechstunden für die Bevölkerung anzubieten. Bei allen notwendigen Sparanstrengungen sollte die Politik die notwendige Nähe zum Steuerzahler nicht aus den Augen verlieren.“

Das globale Vorhaben des Finanzministeriums stößt nicht nur in St.Vith auf Widerstand. Vanessa Matz, föderale Ministerin für öffentliche Modernisierung (Les Engagés), sieht in den Schließungsplänen eine Gefahr für die Zugänglichkeit staatlicher Dienstleistungen. „Rationalisieren heißt nicht abschaffen. Es geht um bessere Organisation, nicht um den Rückzug aus ganzen Regionen“, erklärte sie. Matz warnt vor negativen Folgen für Bürger und Unternehmen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Als Beispiel nennt sie Marche, wo das Büro schließen soll. Künftig müssten Betroffene nach Arlon fahren – rund eine Stunde Autofahrt. Angesichts einer weiterhin hohen Zahl von Menschen mit eingeschränkten digitalen Fähigkeiten – laut König-Baudouin-Stiftung etwa 40 Prozent der Bevölkerung – sei dies problematisch.

Neben der sozialen Dimension kritisiert die Ministerin auch den Umgang mit dem Immobilienbestand des Staates. Die Schließungen würden oft mitten in laufenden Mietverträgen erfolgen und damit zusätzliche Kosten verursachen.

„Die Menschen haben ohnehin das Gefühl, von öffentlichen Diensten im Stich gelassen zu werden. Diese Reform verstärkt dieses Misstrauen“, betont Matz. Sie will Finanzminister Jan Jambon (N-VA) auffordern, den Plan zu überarbeiten. Auch ein Treffen zwischen der Gebäuderegie und dem Finanzministerium ist in Vorbereitung. (gz/arco/belga)

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