Evenepoel kennt seine WM-Helfer – Kopecky gibt Regenbogentrikot ab – Rex erstmals dabei

<p>Remco Evenepoel visiert in Kigali seinen zweiten Weltmeistertitel im Straßenrennen und seinen dritten (bei den Erwachsenen) im Einzelzeitfahren an.</p>
Remco Evenepoel visiert in Kigali seinen zweiten Weltmeistertitel im Straßenrennen und seinen dritten (bei den Erwachsenen) im Einzelzeitfahren an. | Foto: belga

Unmittelbar bevor Remco Evenepoel am Dienstagmittag die Tour of Britain in Angriff nahm, veröffentlichte Nationaltrainer Serge Pauwels die Namen derer, die seinem wertvollsten Schützling in der Hauptstadt Ruandas zum ganz großen Wurf verhelfen sollen – immer in dem Wissen, dass ein gewisser Tadej Pogacar ebenfalls an der Startlinie stehen wird. „Es bleibt natürlich abzuwarten, auf welchem Niveau Pogacar fahren wird. Aber wenn er in den Sattel steigt, dann immer mit großen Ambitionen“, verriet Pauwels: „Auf jeden Fall hat Remco eine Chance, auch wenn ich die nicht in Prozenten beziffern möchte.“

Vor allem Victor Campenaerts, Cian Uijtdebroeks, Tiesj Benoot und Ilan Van Wilder sollen dem Australien-Weltmeister von 2022 zu seinem zweiten Triumph verhelfen. Quinten Hermans, Xandro Meurisse und Florian Vermeersch vervollständigen die belgische Mannschaft, als Reservisten stehen Steff Cras, Junior Lecerf, Alec Segaert und Louis Vervaeke für den Notfall bereit. Dabei ist klar: Evenepoel ist der unmissverständliche Anführer, ihn auf den Thron zu heben, heißt das oberste und einzige Ziel. „Einer für alle, alle für Remco Evenepoel“, schrieben die Kollegen von „sporza“.

267,5 Kilometer und rund 5.500 Höhenmeter stehen am 28. September in Kigali auf dem Programm, darunter 15 Runden mit den Anstiegen in Kimihurua (1,3km, 6,3 %) und Kigali selbst (0,8 km, 8,1 %). Zudem führt der Weg 100 Kilometer vor dem Ziel einmal den gleichnamigen Berg am westlichen Stadtrand hoch – über 5,6 Kilometer und mit einer Steigung von 6,9 Prozent.

<p>Vor einem Jahr sicherte sich Remco Evenepoel in Zürich seine insgesamt vierte Straßenrad-Weltmeisterschaft, die zweite bei den Erwachsenen.</p>
Vor einem Jahr sicherte sich Remco Evenepoel in Zürich seine insgesamt vierte Straßenrad-Weltmeisterschaft, die zweite bei den Erwachsenen. | Foto: belga

Kein Wunder also, dass Pauwels Evenepoel zwei ausgewiesene Kletterer zur Seite stellt: Cian Uijtdebroeks gewann Anfang August die Tour de l´Ain durch das Juragebirge, Ilan Van Wilder arbeitete bereits bei Soudal Quick-Step als Zugpferd für Evenepoel, der bekanntlich zur kommenden Saison für Red Bull BORA-hansrohe fährt. Auch Tiesj Benoot, dessen Wechsel von Visma-Lease a bike zu Decathlon AG2R La Mondiale am Dienstag bekanntgegeben wurde, und Victor Campenaerts führten in den vergangenen Jahren allzu oft Wout van Aert oder Jonas Vingegaard durch Berg und Tal – die beiden Topfahrer fehlen bei der WM übrigens.

„Wir haben am Montag noch miteinander gesprochen“, sagte Serge Pauwels über Remco Evenepoel, der bei der Britannien-Rundfahrt sein Comeback nach seiner Aufgabe bei der Tour de France im Juli gibt: „Er ist sehr motiviert und hat die Tour verarbeitet. Körperlich und mental brauchte er Zeit zur Erholung, aber jetzt ist er hungrig und hat wieder das Selbstvertrauen, das wir von ihm kennen (lacht). Die Signale im Training waren schon sehr positiv, jetzt steht ihm eine gute Wettkampfwoche bevor.“

Neben dem Straßenrennen geht der Doppel-Olympiasieger von Paris natürlich auch im Zeitfahren an den Start – seiner Paradedisziplin, in der er sich bereits 2018 und 2019 bei den Junioren sowie 2023 und 2024 bei den Erwachsenen zum Weltmeister krönte. Am 21. September nimmt er den Kampf gegen die Uhr mit Ilan Van Wilder und Florian Vermeersch auf, auch hier bekleidet Alec Segaert die Rolle des Reservisten.

Lotte Kopecky sagt ab: „Nicht zu 100 Prozent bereit.“

Große Überraschung hingegen bei den Frauen: Lotte Kopecky tritt nicht zur erneuten Titelverteidigung an. „Sie ist überzeugt, dass sie nicht zu 100 Prozent bereit sein wird“, erklärte Nationaltrainer Ludwig Willems und zitierte schmunzelnd die niederländische Folk-Band Rowwen Hèze: „Manchmal ist es besser, etwas Schönes zu verlieren, als es niemals gehabt zu haben.“

<p>Weltmeisterin Lotte Kopecky tritt nicht zur Titelverteidigung an.</p>
Weltmeisterin Lotte Kopecky tritt nicht zur Titelverteidigung an. | Foto: belga

Kopecky (29) war 2023 in Glasgow ins Regenbogentrikot gefahren und hatte es ein Jahr später in Zürich verteidigt. Die vergangenen Monate verliefen jedoch weitaus komplizierter. Rückenprobleme erschwerten die Vorbereitung auf die Tour de Femmes, die Ziele änderten von Gesamtsieg hin zu Etappenerfolgen – doch auch die blieben aus. „Die Zweifel kamen bereits vorher beim Giro und sind während der Tour gewachsen. Sie hatte auf Besserung gehofft, aber schlussendlich diese Entscheidung getroffen. Eine Meisterin wie sie will eben nur starten, wenn sie sicher ist, um den Sieg mitfahren zu können. Ich wollte sie nicht unter Druck setzen und habe großen Respekt vor diesem Beschluss“, betonte Ludwig Willems: „Lassen wir ihr die Zeit, ihre Kräfte zu sammeln. Danach sehen wir mit Sicherheit eine bessere Lotte.“

In Kopeckys Abwesenheit gehen Justine Ghekiere, Marthe Goosens, Marieke Meert, Julie Van de Velde und Margot Vanpachtenbeke am 27. September in Kigali im Straßenrennen an den Start. Beim Einzelzeitfahren (21. September) schickt Belgien Marthe Goosens ins Rennen.

Tim Rex erlebt WM-Premiere.

Eine Premiere erlebt derweil Tim Rex: Der Raerener fährt am 26. September das U23-Straßenrennen. Nach zwei Mountainbike-Weltmeisterschaften wurde er somit erstmals für eine Straßen-WM nominiert. Rex steigt zur Saison 2026 ins Profiteam von Visma-Lease a bike auf.

Das belgische WM-Aufgebot im Überblick

Einzelzeitfahren

Juniorinnen: Laura Fivé

Junioren: Thor Michielsen, Seff Van Kerckhove (Reservist: Mats Vanden Eynde)

Damen U23: Lors De Schepper, Fleur Moors

Herren U23: Jonathan Vervenne, Jarno Widar

Damen Elite: Marthe Goossens

Herren Elite: Remco Evenepoel, Ilan Van Wilder, Florian Vermeersch (Reservist: Alec Segaert)

Mixed-Team-Staffel

Herren Elite: Victor Campenaerts, Florian Vermeersch, Jonathan Vervenne (Reservist: Ilan Van Wilder)

Damen Elite: Marthe Goosens, Julie Van de Velde, Margot Vanpachtenbeke (Reservistin: Marieke Meert)

Straßenrennen

Juniorinnen: Auke De Buysser, Laura Fivé, Sanne Laurijssen

Junioren: Edouard Claisse, Thor Michielsen, Mats Vanden Eynde, Seff Van Kerckhove, Tuur Verbeeck (Reservisten: Leander De Gendt, Mathias De Keersmaeker, Jinze Joris)

Damen U23: Lore De Schepper, Tess Moerman, Fleur Moors, Xaydée Van Sinaey

Herren U23: Aaron Dockx, Kamiel Eeman, Tim Rex, Jasper Schoofs, Jarno Widar (Reservisten: Milan Donie, Niels Driesen, Aldo Taillieu)

Damen Elite: Justine Ghekiere, Marthe Goosens, Marieke Meert, Julie Van de Velde, Margot Vanpachtenbeke

Herren Elite: Tiesj Benoot, Victor Campenaerts, Remco Evenepoel, Quinten Hermans, Xandro Meurisse, Cian Uijtdebroeks, Ilan Van Wilder, Florian Vermeersch (Reservisten: Steff Cras, Junior Lecerf, Alec Segaert, Louis Vervaeke)

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