Die Dimension ist beachtlich: In den mehr als 10.000 Quadratmeter großen Räumlichkeiten am Westerring 15 sollen künftig rund 500 Arbeitsplätze entstehen. Die neue Fabrik wird nicht nur produzieren, sondern auch entwickeln, testen und verpacken – ein komplettes Servicezentrum für photonische Halbleiter.
Der Zusammenbruch von BelGaN im Jahr 2024 war ein Schock für die belgische Hightech-Szene. Rund 440 Mitarbeiter verloren ihren Job, die Maschinen wurden verkauft. Damit verschwand die letzte aktive Chipfabrik des Landes – ein herber Rückschlag in einem Markt, der weltweit boomt. Experten sprachen damals von einem „Drama“ für die europäische Chipstrategie.
Antwort auf Energiehunger von Rechenzentren und KI
Doch nun wird die Lücke geschlossen – mit einer Technologie, die als Schlüssel zur Zukunft gilt: Photonik statt Elektronik. Während klassische Chips mit Elektronen arbeiten, nutzen photonische Chips Lichtteilchen, um Daten zu übertragen und zu verarbeiten. Sie sind deutlich schneller und energieeffizienter – eine Antwort auf die steigenden Energieprobleme von Rechenzentren und Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). „Die Marktchancen wachsen exponentiell“, sagt der renommierte Photonik-Experten Roel Baets (Universität Gent/imec).
Doch die Einsatzmöglichkeiten gehen weit darüber hinaus: Auch in Medizintechnik, Sensoren, 3D-Bildgebung und Telekommunikation bieten photonische Chips enormes Potenzial.
Unterstützt wird das Projekt von namhaften Partnern: imec aus Löwen bringt seine Weltspitze in Nanoelektronik ein, die Universität Gent steuert ihre renommierte Photonik-Gruppe bei, und das Unternehmen New Photonics liefert entscheidende Lasertechnologie. Für Roel Baets ist das Projekt eine historische Chance für Europa: „Europa hinkt industriell hinterher in dieser Technologie. Dieses Vorhaben könnte eine echte Aufholbewegung auslösen.“
Finanziert wird das Vorhaben durch eine Gruppe europäischer Investoren. Die genaue Summe ist nicht bekannt, Branchenkenner sprechen aber von mehreren 100 Millionen Euro. Ziel ist es, die Basis in den kommenden Monaten mit internationalen Partnern zu erweitern – bei klarer europäischer Verankerung.
Für Belgien bedeutet die Gründung nicht nur ein symbolisches Comeback, sondern auch eine konkrete Stärkung im Rahmen des EU Chips Act, mit dem Europa unabhängiger von Asien und den USA werden will. (belga/calü)

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