Erstmals tritt Belgien mit zwei Ständen auf: einer für die Wallonie, ein weiterer für Flandern sowie die Region Brüssel. Rund 30 Studios und Organisationen sind jeweils vertreten. In der Wallonie reicht die Bandbreite von studentischen Projekten bis zu fast fertigen Spielen etablierter Entwickler. Präsentations- und Coworking-Flächen sollen den Austausch erleichtern. „In Flandern gibt es größere Studios, in der Wallonie viele Start-ups oder Hochschulprojekte. Unser Ziel ist Sichtbarkeit und internationale Kontakte, etwa nach Brasilien oder Asien“, sagt Jean Gréban, Koordinator der wallonischen Branchenvereinigung Walga, gegenüber der Nachrichtenagentur Belga.
Die Delegation verfolgt mehrere Ziele: Spiele werden direkt von Fachleuten und Influencern getestet, Netzwerke bei Veranstaltungen ausgebaut und Nachwuchstalente vorgestellt. In der Wallonie hat sich die Zahl der Studierenden im Bereich Game Design in fünf Jahren von 150 auf 1.000 erhöht. Publisher stehen auf der Messe aber kaum noch im Mittelpunkt. „Einen klassischen Verlag zu finden, ist heute schwieriger denn je“, erklärt Gréban. „Viele Investoren setzten nach dem Lockdown auf einen Boom, doch der blieb aus. Das führte zu Entlassungen. Immer mehr Studios setzen auf Eigenveröffentlichungen, auch wenn dafür Marketingwissen nötig ist.“
Die Konkurrenz ist immens: 2024 erschienen auf Steam rund 18.000 neue Spiele, 2025 könnte die Zahl auf 20.000 steigen. Belgien konzentriert sich bewusst auf unabhängige Produktionen. „Das Indie-Segment ist finanziell weniger riskant als große Blockbuster wie GTA VI. Wir entwickeln uns in Sachen Selbstvermarktung weiter und wollen lokal starten, um global sichtbar zu werden“, betont Gréban.
Auch die Politik spielt eine Rolle. Öffentliche Hilfen nach der Pandemie hätten die Zahl der Studios und Jobs verdoppelt. Ob neue Unterstützung kommt, ist offen. „Wir möchten auf der Gamescom klarmachen, dass die Bemühungen fortgesetzt werden müssen“, so Gréban. Einzig die flämische Medienministerin Cieltje Van Achter (N-VA) hat ihren Besuch angekündigt – und will die Förderung fortführen. Die Gamescom öffnet für das breite Publikum von Donnerstag bis Sonntag. Belgien setzt jedoch stärker auf den Fachteil, der bereits am Mittwoch startet. Viele wallonische Projekte werden zudem online präsentiert – täglich in zweistündigen Livestreams. So soll die junge belgische Spielebranche auch über die Messe hinaus sichtbar bleiben. (belga/svm)

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