„Rund die Hälfte der Schüler im Qualifikationszweig muss Werkzeug und Schutzmaterial selbst bezahlen: Eltern berichten von einem Schweißhelm für 90 Euro, Sicherheitsschuhen für 100 Euro oder Küchenausstattung im Hotelwesen“, erklärt Studienleiter Merlin Gevers. Auch Friseurwerkzeug wie Föhne, Glätteisen oder Bürsten summieren sich rasch. Ein Teil der Ausstattung muss zudem jedes Jahr erneuert werden, etwa wenn die Jugendlichen wachsen.
Zusätzlich zu diesen Werkstattkosten kommen mindestens 300 Euro für „klassische“ Schulmaterialien wie Stifte, Hefte und Taschen. Muss auch ein neuer Schulrucksack oder ein Laptop angeschafft werden, steigen die Ausgaben schnell auf 700 Euro – womit die Gesamtrechnung leicht über 1.000 Euro liegt.
Eine von fünf Familien muss außerdem spezifische Software anschaffen, etwa für den Bereich Grafikdesign. Allein das Abo für die Adobe Creative Cloud kostet 236 Euro im ersten Jahr, ab dem zweiten Jahr sogar mehr als 426 Euro jährlich – ohne die Anschaffung eines Computers.
Doch selbst diese Aufstellung sei nicht vollständig, betont die Familienliga. Monatlich kämen weitere Ausgaben hinzu – etwa für Verbrauchsmaterialien oder für fachspezifische Schulausflüge, die im Schnitt 135 Euro pro Jahr und Kind kosten. Da viele Fachrichtungen nicht wohnortnah angeboten werden, fallen zudem oft höhere Fahrtkosten an.
Besonders problematisch: Knapp die Hälfte der Eltern (46 %) erhält zum Schulstart keine Schätzung der anfallenden Kosten, obwohl die Schulen gesetzlich dazu verpflichtet sind. Und selbst wenn ein Kostenvoranschlag vorliegt, sind Posten wie Software, Verbrauchsmaterial oder zusätzliche Werkzeuge oft nicht aufgeführt.
Die finanzielle Belastung trifft vor allem Familien mit geringen Einkommen. Unter den 30 Prozent der sozial schwächsten 16-Jährigen besucht die Hälfte einen technischen oder beruflichen Bildungsgang.
Die Familienliga fordert deshalb dringend eine Ausweitung der kostenlosen Schulmaterialien: „Es ergibt keinen Sinn, bei der dritten Grundschulklasse Halt zu machen. Ab der vierten Klasse sollten die Materialien ebenfalls übernommen werden – und möglichst bald auch im Sekundarbereich“, so Direktorin Madeleine Guyot.
Kritik übt der Verband zudem an Bildungsministerin Valérie Glatigny (MR), die im vergangenen Jahr die Inspektion der Schulkosten ausgesetzt hatte – obwohl diese Behörde zuvor zahlreiche Verstöße gegen die bestehenden Regeln festgestellt hatte. (belga/rt)

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