Kartoffelpreise im freien Fall: Nur noch 15 Euro pro Tonne für Frühkartoffeln
Landwirtschaft
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Der Preis für eine Tonne Frühkartoffeln ist dramatisch gefallen: Aktuell werden auf dem freien Markt nur noch rund 15 Euro bezahlt – vor einem Jahr lag der Preis noch bei 150 Euro. Das berichten die belgischen Zeitungen „De Standaard“, „Het Nieuwsblad“ und „Gazet van Antwerpen“ am Donnerstag. Während das gute Wetter für eine reiche Ernte sorgt, ist die Nachfrage aus der verarbeitenden Industrie massiv eingebrochen.
Der Marktpreis für Frühkartoffeln ist auf ein Rekordtief gefallen.
| Illustrationsbild: picture-alliance/ dpa
„Derzeit werden die Frühkartoffeln geerntet“, erklärt Pieter Van Oost, Experte beim belgischen Bauernverband Boerenbond. Diese Sorte ist nicht lagerfähig und muss direkt verarbeitet werden. Etwa 60 bis 70 Prozent der Ernte werden über langfristige Verträge an Kartoffelverarbeiter verkauft – vor allem an Hersteller von Tiefkühlfritten. Diese Verträge wurden bereits Ende letzten Jahres abgeschlossen, als die Marktlage noch stabil war. Die Preise decken dort immerhin die Produktionskosten.
Anders sieht es auf dem freien Markt aus, auf dem der restliche Teil der Ernte verkauft wird. Hier haben Angebot und Nachfrage die Preise drastisch abstürzen lassen. „Für eine Tonne Kartoffeln bekommt man nur noch 15 Euro – das reicht nicht einmal aus, um die Erntekosten zu decken, geschweige denn die Ausgaben für Saatgut, Düngung und Pflanzenschutz“, warnt Van Oost. Bei einem Ertrag von 40 Tonnen pro Hektar würde ein Landwirt gerade einmal 600 Euro einnehmen, während die Produktionskosten schnell bei 6.000 Euro pro Hektar liegen können.
Hinter dem Einbruch der Nachfrage steht ein Rückgang bei den Tiefkühlprodukten: In den vergangenen Monaten lag der Absatz weit unter dem Niveau des Vorjahres. Laut Boerenbond haben belgische, deutsche und niederländische Verarbeiter aktuell rund 500.000 Tonnen weniger Bedarf an vorverarbeiteten Kartoffeln.
Eine eindeutige Ursache für diesen Einbruch gibt es nicht. Die Industrie verweist auf verstärkte Konkurrenz aus Asien, insbesondere durch wachsende Anbauflächen in China und Indien, sowie auf die Spätfolgen des US-Handelskriegs unter Trump. Auch der aktuell starke Eurokurs könnte eine Rolle spielen, da ein Großteil der Tiefkühlprodukte in Länder außerhalb der EU exportiert wird.
Dabei sind die Frühkartoffeln nur ein kleines Segment des gesamten Angebots. Die eigentliche Haupternte, die sogenannten Lagerkartoffeln, beginnt erst Ende September. Sie können bis ins späte Frühjahr gelagert werden – und auch sie kündigen sich in großen Mengen an. (belga/rt)
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