Bliebe noch ein Blick auf die Entwicklung des Kreditgeschäfts, das in jedem Fall eine Besonderheit offenbart. Ungeachtet der weiterhin hohen Zinsen ist die Aktivität „am Bankenmarkt“ im ersten Halbjahr erkennbar gestiegen (gegenüber 2023 und 2024).
So lag der insgesamt kreditierte Betrag in den ersten sechs Monaten um beachtliche 48 Prozent über dem Betrag im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Belfius spricht gar von einem hauseigenen Volumen in ähnlicher Höhe wie im Rekordjahr 2021.
Für diese ungewohnt schnell und heftig gestiegene Kredittätigkeit gibt es offenkundig mehrere Gründe. So haben nicht wenige Haushalte bereits früh im Jahr einen Kredit zu einem festen Zinssatz abgeschlossen, um auf solche Weise einer befürchteten neuerlichen Steigerung vorzugreifen. Auch sind es vielfach die Investitionen in die energetische Sanierung (unerlässlich bei älteren Anwesen aus den siebziger und achtziger Jahren), die die Kreditbeträge nach oben „geschraubt“ haben.
Nicht zuletzt haben einige Banken ihre Kreditvorgaben für „solvente“ Kunden gelockert, gerade mit Blick auf das Volumen. Und dann wäre da noch die merkliche Senkung der Registrierungsgebühren in der Wallonie (seit Beginn des Jahres nur noch drei Prozent) - was zu einer spürbaren Marktbelebung beigetragen hat. Zweifellos ein politisches Instrument mit unübersehbarer und zeitnaher „Hebelwirkung“. Nur… für wie lange?
Jedoch mutieren diese Zahlen bei durchdringenderem Blick durchaus zur Augenwischerei, heißt: der Zugewinn bleibt fragil. In jedem Fall verharrt die Anzahl der getätigten Kreditaufnahmen auf historisch niedrigem Niveau.
Zudem sind es vornehmlich Haushalte mit gehobenem Einkommen, die sich noch einen „satten“ Kredit leisten können, sprich: Haushalte mit Doppeleinkommen, das monatliche Zahlungen von 1.500 € oder gar mehr über zwanzig Jahre (und länger) möglich macht.
Bei der Berechnung der Verpflichtungen gehen Experten von folgendem „Schlüssel“ aus: Tätigung eines Erwerbs (inklusive Mehrwertsteuer und Kosten) mittels eines Kredits über zwanzig Jahre bei Raten von maximal einem Drittel des monatlichen Einkommens zur Absicherung von Haus- oder Wohnungskauf. Zudem bei einem Anteil von mindestens zwanzig Prozent Eigenkapital respektive Eigenfinanzierung.
Fazit: Neuware wird in der Zwischenzeit vielerorts zur Nischenware, die für weniger als fünf Prozent der belgischen Haushalte erschwinglich ist (außerhalb Ostbelgiens). Wogegen dieses Segment für alle anderen wie „vernagelt“ wirkt.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren