Wer sind die Favoriten?
Die Fahrerinnen, die sich im 2024er-Finale in Alpe d'Huez einen spannenden Schlagabtausch lieferten, gehören auch dieses Mal wieder zu den Favoritinnen auf das Maillot jaune. Die Polin Kasia Niewiadoma peilt die erfolgreiche Titelverteidigung an, die Niederländerin Demi Vollering will für ihr neues Team FDJ-Suez den Erfolg aus 2023 wiederholen. Zum Favoritenkreis zählen zudem Lotte Kopecky, Pauline Ferrand-Prevot oder Anna van der Breggen nach der Rückkehr aus dem Ruhestand. Das erste Gelbe Trikot dürfte an eine Sprinterin gehen. Lorena Wiebes, Marianne Vos oder Charlotte Kool zählen zu den Anwärterinnen.
Wie steht um Lotte Kopecky?
Inzwischen leise träumt auch Lotte Kopecky (SD Worx-Protime) vom Gelben Trikot. Monatelang galt sie als klare Leaderin ihres Teams, doch zuletzt machte ihr beim Giro Donne hartnäckige Rückenprobleme zu schaffen. In Italien stieg die deshalb vorzeitig vom Rad – und darauf reagierte unmittelbar vor dem Tour-Auftakt auch ihr Team: „Wir haben den Plan, mit Lotte Kopecky um das Gesamtklassement zu fahren, vorerst aufgeben“, heißt es. Aktuell sei sie nicht bei 100 Prozent, erklärte Kopecky selbst: „Und deswegen kann ich nicht von meinem Team erwarten, dass es sich voll und ganz für meine Platzierung und mich aufopfert.“ Gemeinsam habe man sich für einen Kurswechsel entschieden, so die Weltmeisterin weiter. „Sollte es jedoch in der ersten Woche gut bis sehr gut laufen, dann können wir unser Ziel immer noch anpassen“. Startet Kopecky somit eher mit der Hoffnung, einzelne Etappe zu gewinnen? Die beiden ersten Etappen dürften ihr liegen – hier wartet die erste Chance auf zumindest mehrere Tage in Gelb, wobei mit Lorenas Wiebes auch eine Konkurrentin im eigenen Team lauert. „Ich habe aber klar angegeben, dass ich die Etappe gerne gewinnen würde. Ich denke, dass darauf geachtet wird“, so Kopecky.
Wie groß ist die Lücke zum Männerrennen?
Groß, aber sie wird kleiner. Der Frauenradsport wächst und mit ihm die Tour. Das Rennen hat nun neun statt acht Etappen. Der Kurs ist anspruchsvoller, trägt damit auch dem gestiegenen Leistungsniveau im Feld Rechnung. Vergleichen lässt sich die Struktur aber (noch) nicht mit dem Rennen der Männer, Parallelen zu Rundfahrten wie Paris-Nizza oder dem Critérium du Dauphiné sind eher gegeben – nicht nur wegen des fehlenden Finals auf den Champs Élsyées.
Und finanziell?
Groß ist die Schere vor allem beim Preisgeld. Die Siegerin erhält eine Prämie von 50.000 Euro, der Sieger des Männerrennens in Paris kassiert mit 500.000 Euro das Zehnfache. Trotzdem gibt es Fortschritte. Inzwischen erhalten auch die Frauen einen Mindestlohn von 38.000 Euro, Neoprofis bekommen knapp 32.000 Euro. Für Renndirektorin Marion Rousse sind die Prämien bei der Tour allerdings „nicht so entscheidend. Die Fahrerinnen leben nicht von den Prämien. Was sie wollen, ist ein faires Gehalt, das ist wichtig“, wie sie dem Tour-Magazin sagte. Ein Rennen mit 21 Etappen und eines mit neun Tagen zu vergleichen, sei schwierig: „Wir müssen das vergleichen, was vergleichbar ist.“ (mn/sid)

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