Die geopolitische Großwetterlage spielt dabei eine zentrale Rolle, so Eric Van den Broele, Forschungsdirektor bei GraydonCreditsafe: „Wir sehen eine massive Verunsicherung durch weltpolitische Entwicklungen – Namen wie Donald Trump, Wladimir Putin oder Benjamin Netanjahu werfen lange Schatten. Viele erwarten weitere Erschütterungen – und zögern deshalb, unternehmerische Risiken einzugehen.“
Für viele potenzielle Gründerinnen und Gründer stellt sich die Frage, ob jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt für den Start in die Selbstständigkeit ist – und ob man den kommenden Krisen gewachsen wäre. Die Kehrseite: Wer sich dennoch traut, geht laut Van den Broele oft strategischer vor und startet besser vorbereitet in die Selbstständigkeit.
2024 wurden 127.171 neue Unternehmen in Belgien gegründet – ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber 2023. Gleichzeitig wurden aber auch 107.112 Unternehmen abgemeldet – ebenfalls ein Rekord. Das ergibt eine Nettozunahme von nur 1,52 Prozent – ein magerer Wert, der laut Van den Broele als „Alarmsignal für die Politik“ zu werten sei.
Brüssel boomt, Flandern fällt zurück
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Flandern verzeichnete zum ersten Mal seit Jahren ein Minus von 1,3 Prozent bei Neugründungen. Die Wallonie legte dagegen leicht zu (+1,1 Prozent). Brüssel hingegen erlebte einen regelrechten Gründungsboom mit +31,5 Prozent im Vergleich zu 2023. Der Grund: Seit Anfang 2024 ist dort der Nachweis grundlegender betriebswirtschaftlicher Kenntnisse sowie beruflicher Befähigungen für viele Branchen nicht mehr verpflichtend.
Gründungsschwerpunkte und Überlebensraten
Am aktivsten waren die Gründerinnen und Gründer im Dienstleistungssektor – etwa in den Bereichen IT, Kommunikation, Beratung oder Immobilien (37,1 % aller Neugründungen).
Auf Platz zwei folgen die freien Berufe (15,1 %) – darunter Ärzte, Juristen oder Wirtschaftsprüfer. Den dritten Platz belegt das Baugewerbe mit 11,1 %, trotz eines leichten Rückgangs.
Langfristig gesehen überlebt nicht jede Neugründung: Von den im Jahr 2020 gestarteten Unternehmen war Ende 2024 nur noch 64,1 Prozent aktiv. In manchen Sektoren ist die Überlebensrate besonders niedrig – etwa im Einzelhandel, wo fast jede zweite Firma nach fünf Jahren vom Markt verschwindet. (belga/calü)

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